Band 203, 2010, S. 238

Annelie Pohlen
Diango Hernandez
Warten oder Fliegen – Die "Power" des Zeichenstiftes im Werk des Amateurs
Als die 68er Kuba noch als Insel der Zukunft feiern, erlebt Diango Hernández Castros 'Vision' vom neuen Menschen in einer Internatsschule auf dem Land als Alptraum. Auch wenn er seine eigenen Texte wie die seiner Interpreten mit zahlreichen Deutungsmöglichkeiten aus dem kubanischen Alltag versieht, diese wie alle weiteren Erfahrungen in seinem Heimatland werden zum Brennpunkt in einem kreativen Kosmos, in dem 'Kuba' mehr ist als ein politischer Fall – und mehr als ein ‚Geburtsort’, auf den man verzichten kann.
1988 beginnt Hernández ein Studium in Havanna. Noch keimen Hoffnungen auf Befreiung aus den kollektiven Verordnungen. Sie verblühen schnell und mit ihnen auch […] weiterlesen
Band 203, 2010, S. 224

Jens Asthoff
Sonja Vordermaier
Imaginationsobjekte
Eine Skulptur wie ein überdimensionaler, dunkler Kristall: Die halb mineralisch, halb schattenhaft erscheinende Gestalt ist von geschichteten Brüchen durchsetzt und weist zahllose teils großflächig, teils detailliert gestaffelte Schnittkanten auf, die in ihren Ausläufern manchmal so feinstofflich sind, dass sie wie graues Gefieder wirken. Der kompakte, aufwärts gerichtete Korpus scheint in Bodennähe aus der Wand hervorzubrechen, mündet in Aufsplitterungen und größeren raumgreifenden Auszweigungen. „Schatten 28“ (2009) hat Sonja Vordermaier für die Räume der de Soto Gallery in Los Angeles entwickelt und in einem gut sechswöchigen Herstellungsprozess vor Ort angefertigt und installiert. Das Werk ist kompositorisch auf Blickachsen im Raum hin ausgerichtet. Man […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 250

Stephan Maier
Simone Westerwinter
Regeln der Attraktion oder wie sexy Kunst heute sein kann, ohne an Struktur zu verlieren
Entscheidungen über Entscheidungen. Getroffen oder getragen, Schlag auf Schlag. Tatsachen dann. Im wirklich wahren Lebens allenthalben, der Welt und dem ganzen Rest. Gestern Abend zum Beispiel: Nur kurz bei Simone Westerwinters Eröffnung von „Sweet Structures -homemade-“ vorbei gesehen und direkt Eine eingefangen. Respektive aufs Auge bekommen. Gedrückt? Geschminkt! Oder, in der Diktion der Kunst: Ein Bild (aufs Auge) gehauen bekommen. Von wegen Bild-Hauerei. Wo nur kurz Maß genommen, nicht lange gefackelt und kein „langer Prozess“ (W. Klitschko) gemacht wurde. In der Folge mit krassem Gesicht und eher untypischer Visage unter all den anderen, andersartig maskierten Zombies bei einer Vernissage herum geschlendert. […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 214

Hans-Jürgen Hafner
Max Peintner
Hohle Gasse Bildraum.
Zeichnen als Ideologiekritik bei Max Peintner
Es ist in der Tat eine Ungeheuerlichkeit. Derart unglaublich, dass es sich buchstäblich nur um eine ‚Erscheinung’ drehen kann, wenn jene elegant aufgerichtete Rückenfigur mit einladend ausgebreiteten Armen, in der wir ohne weiteres Caspar David Friedrichs um 1818 entstandene Frau vor untergehender Sonne (oder Frau in der Morgensonne) erkennen, auf die schwer auf ihr Werkzeug gestützte, ungehobelt bäurische Figur trifft. Auch sie ist uns bestens geläufig. Es handelt sich um Jean-François Millets L’homme a la houe (ca. 1860-1862), der mitten in seiner Arbeit, dem mühsamen Bestellen des trockenen, steinig-disteligen Bodens erschöpft innehält. Grotesk, unwahrscheinlich, ja nahezu skandalös ist dies in eine […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 200

Claudia Wahjudi
Kino verkehrt
Joao Penalvas Videoinstallationen erzählen Fiktionen der Fiktion
Er ist Übersetzer, Rechercheur und ein großartiger Erzähler: Joao Penalva berichtet vom globalen Transfer immateriellen Kulturguts und davon, wie es sich in Bild, Raum und Sprache verändern kann. Seine narrativen Arbeiten greifen große Sagen und kleine lokale Ereignisse auf, sie spielen mit Phänomenen des Alltags genauso wie mit Klassikern des Kulturkanons. Dabei führen besonders die Videoinstallationen des 1949 in Lissabon geborenen Künstlers vom Konkreten ins allgemein Menschliche und von hier ins Ungewisse: Sie sind geprägt von einem Humanismus, dessen Ernst Ironie mildert, und gleichzeitig von einer Skepsis gegenüber den Regeln des menschlichen Zusammenlebens – eine Haltung, die Penalva in die […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 196

Thomas Wulffen
Hans-Peter Porzner
Museum? Museum!
Es war einmal eine Zeit, als München noch ein Museum für Moderne Kunst besass. Und es gibt noch einige Kunstfreunde, die Einladungen für Ausstellungen und Veranstaltungen in dem Haus am Museumsplatz 5 besitzen. Sollten Sie sich auf den Weg zu einer dieser Veranstaltungen oder Diskussionen gemacht haben, blieb ihnen die Enttäuschung nicht erspart. Denn ein Museum für Moderne Kunst gibt es nicht, aber es gibt die Person dahinter. Und die heisst Hans-Peter Porzner , Jahrgang 1958.
Er ist Initiator des Museum, gleichzeitig der Direktor und in dieser Funktion verantwortlich für das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm. In seiner Funktion als Direktor wurde er […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 188

Claudia Wahjudi
Zwischen Manipulation und Aufklärung
Die psychoakustischen Arbeiten von Janet Cardiff und George Bures Miller stellen die Lust an der Aufklärung auf die Probe
Auf nichts ist Verlass. Weder auf Gehörtes, noch auf Gesehenes, nicht auf Erzählungen und erst recht nicht auf die Fantasie. Installationen von Janet Cardiff und George Bures Miller setzen den Besucher hyperrealistischen Klängen aus, die unerwartete Assoziationen und gleichzeitig Zweifel an deren Glaubwürdigkeit wecken. Im Zusammenspiel mit Bild, Raum und mitunter zu ertastenden Gegenständen rühren diese perfekten Sounds, die Cardiff und Miller mittels der Kunstkopfstereophonie erzielen, an individuelle wie kollektive Erinnerungen. Und sie greifen politische Funktionen von Klang auf: Sie oszillieren zwischen Verführung und dem Appell an die kritische Distanz, zwischen Manipulation und Aufklärung.
Zu den bekanntesten Arbeiten von Cardiff und Miller […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 124

Ursula Panhans-Bühler
Templates – contemplated
Zu Gast bei Monica Studer und Christoph van den Berg
Monica Studer und Christoph van den Berg haben mit ihren Arbeiten auf zuweilen amüsante, zuweilen nachdenkliche, gelegentlich paradoxe, spektakuläre und doch handwerklich sachliche Weise die Frage der Beziehung von bildnerischer Imagination und Repräsentation auf ein aktuelles, computergestütztes Fundament gestellt. Freilich scheint der Computer als Medium der Bilderzeugung einer Repräsentation von Wirklichkeit den Boden zu entziehen. Wenn analoge Medien deren traditionelle Bedingung waren, wird zu fragen sein, wie digitale Bildkonstrukte mit Repräsentation verfahren. Hängt ihre Künstlichkeit jeglichen Referenten ab, macht ihn womöglich überflüssig?
Motivisch gibt es in den Arbeiten der Künstler Schweizer Alpenlandschaften zu sehen, als große querformatige Computerprints auf Aluminium und als […] weiterlesen







