Band 203, 2010, S. 142

Amine Haase
Kunst kann Wunden heilen
„EmscherKunst 2010 – Eine Insel für die Kunst“, 29. Mai - 5. September 2010
Fotorundgang: Wolfgang Träger
Dass die Kunst über heilende Kräfte verfügt, ist nicht nur ein idealistischer Anspruch von Künstlern und Kunstvermittlern, nicht nur ein Erfahrungswert von Psychologen, sondern inzwischen auch eine Erkenntnis von Soziologen und – Politikern. Ein schönes Beispiel für das Zusammenwirken von Kunst und Politik im weitesten Sinn ist das Projekt „EmscherKunst“, das in diesem Sommer mitten im Ruhrgebiet, zwischen Recklinghausen und Oberhausen, zu besichtigen ist. Bis 2020 soll es alle zwei Jahre erneuert werden. 2020 ist auch das Stichjahr für die Vollendung der Renaturierung der Emscher, des gigantischen Umbaus eines Flusses, der Jahrzehnte lang als Kloake des Ruhrgebiets diente und jetzt in […] weiterlesen
Band 203, 2010, S. 38

Susanne Boecker
Leuchtturm und Kunstlabor – die Berlin Biennale
Fotorundgang von Wolfgang Träger
Wahrnehmungshilfen und Kommentare von Susanne Boecker
Sie gehöre zu den „Leuchttürmen der Gegenwartskunst“ mit bundesweiter und internationaler Strahlkraft, betonte Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung der 6. Berlin Biennale. „Es war eine gute Entscheidung des Stiftungsrates der Kulturstiftung des Bundes, ab dem Jahr 2006 dieses Projekt so großzügig zu unterstützen. Diese Förderung ist einstweilen bis in das Jahr 2012 fortgeschrieben und damit hat die Berlin Biennale die Freiräume erhalten, die sie für ihre anspruchsvolle Arbeit benötigt.“ 2,5 Millionen Euro stellt die Kulturstiftung des Bundes für die internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Berlin zur Verfügung und würdigt damit ein Format, dem es nicht vorrangig um Repräsentation zu tun […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 392

Ganz viele Künstler arbeiten mit einer grossen Selbstverständlichkeit am Crossover.
Werner Lippert und Petra Wenzel, die Senkrechtstarter im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft
Ein Gespräch mit Helga Meister
Das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft ist Düsseldorfs beliebtestes Ausstellungs- und Veranstaltungshaus. Es liegt im Ehrenhof, in einer Achse zwischen Tonhalle und museum kunst palast. Es widmet sich Themen, die von anderen Häusern der Landeshauptstadt eher verschlafen werden. Dazu gehören Fotografie, Film, Video, Mode, Design, Werbung und Architektur. Es hat in Werner Lippert und Petra Wenzel zwei kluge Köpfe an der Spitze, die nicht als Direktoren oder Intendanten bei der Stadt oder dem Land angestellt sind, sondern als eigenverantwortliche und erfolgsabhängige Ausstellungsmanager agieren. Sie machen alles, leiten als gleichberechtigte geschäftsführende Gesellschafter das Haus, betreuen die Fundraising-Abteilung für die vielen Sponsoren, planen, kuratieren […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 248

Amine Haase
A Terrible Beauty
In Dublins City Gallery ist zu sehen, wie mit dem Erbe von Francis Bacon umgegangen wird
Full fathom five thy father lies,
Of his bones are coral made
(William Shakepeare, The Tempest)
Die Erynnien haben ihn sein Leben lang gejagt. Und er wartete wohl vergeblich darauf, dass sich die Rachegöttinnen in „Wohlgesinnte“ verwandeln würden – wie in den „Eumeniden“ des griechischen Tragödienschreibers Aischylos, der neben Shakespeare, T.S. Eliot und Marcel Proust zu seinen Lieblingsautoren gehört haben soll. Wenn man über Francis Bacon schreibt, muss vieles in der Möglichkeitsform des Konjunktiv bleiben. Er selbst, seine Hagiographen und seine Feinde verhinderten mit ausgeklügelter Systematik, dass ein klares Bild des Menschen entstehen konnte, der hinter den Bildern stand, diesen erschütternden Darstellungen menschlicher Zerrissenheit. […] weiterlesen
Band 200, 2010, S. 334

Susanne Boecker
To Biennial or not to Biennial?
Biennalen-Konferenz Bergen, 17.9.-20.9.2009
Die Zeit der Unschuld ist vorbei: Wer heute eine neue Biennale ins Leben ruft, der kann nicht mehr mit uneingeschränkter Begeisterung rechnen, sondern sollte sich auf kritische Fragen gefasst machen. Denn die Biennale – in den letzten beiden Jahrzehnten DAS Ausstellungsmodell schlechthin – ist ins kritische Alter gekommen. Nicht, dass der Boom vorbei wäre. Keineswegs. Weit über 100 Kunst-Hot-Spots eröffnen weltweit im zwei- (oder auch drei-)jährigen Rhythmus. Ebenso wenig leiden die Biennalen an Besucherschwund – sind sie doch weltweit DER Publikumsrenner in Sachen zeitgenössische Kunst. Nein, Biennalen sind nicht out, aber nach Jahrzehnten inflationärer Neugründungen ist das Format definitiv in einem […] weiterlesen
Band 199, 2009, S. 409

Diskussion um Reinhard Muchas „Das Deutschlandgerät“
Eine Analyse von Helga Meister
Reinhard Mucha gehört zu den Künstlern, die bei der Quadriennale 2010, dem Jahr der Kunst in Düsseldorf, in der Ausstellung „Mix. Remix. Kunst der 80er Jahre“ im Museum K21 gezeigt werden. Sein wichtigstes Werk „Das Deutschlandgerät“ steht seit 2002 an zentraler Stelle im K21. Doch vor wenigen Wochen gab die neue Leiterin der Kunstsammlung NRW, Marion Ackermann, vor der Presse bekannt, sie plane strukturelle Veränderungen in den beiden Häusern K20 und K21. Dabei wolle sie Muchas Werk abbauen.
Wir berichten im folgenden über ein Werk, das bisher in der Öffentlichkeit wenig diskutiert worden ist. Wir führten zahlreiche Gespräche mit Galeristen, Künstlern und […] weiterlesen
Band 199, 2009, S. 260

Ronald Berg
Die Kunst ist super!
Neupräsentation des Hamburger Bahnhofs, Berlin, 5.9.2009 – 14.2.2010
Marilyn trifft auf Nofretete, Eisenbahn auf Fahrrad und Spielzeug auf Spielfilm. Alles hängt mit allem zusammen – irgendwie und vor allem assoziativ. Die Neueinrichtung des Hamburger Bahnhofs in Berlin schert sich wenig um kunsthistorische Korrektheiten und museale Methoden, wie sie früher einmal üblich waren.
Ein Dreivierteljahr hat Udo Kittelmann seit seiner Ernennung zum Direktor der Nationalgalerie mit seinen sechs Häusern gebraucht, bis er hier eine erste Probe seines Wirkens abgeliefert und dabei gleich die gängigen Regeln im Museumsbetrieb durcheinanderbringt.
Aber das „Museum für Gegenwart“, wie es sich selber nennt, ist eben auch kein normales Museum. Die Gegenwart fängt hier übrigens in den sechziger […] weiterlesen
Band 197, 2009, S. 394

Edgar Schmitz
Mark Wallinger Curates: »The Russian Linesman«
Hayward Gallery,London, 18.2. - 4.5.2009
Täuschungen, Illusionen, Verschiebungen und die Verwirrungen, die sich aus ihnen stiften (lassen), erstellen in Mark Wallingers für die Hayward kuratierter Ausstellung erstmal ein formales Vokabular, das mit historischem wie zeitgenössischem, künstlerischem wie wissenschaftlichem Material durchgespielt wird. Dabei liefert Wallinger aber nicht nur eine Bestandsaufnahme zu den Bedingungen gegenwärtiger Kunst, sondern inszeniert vielmehr Formen von Künstlichkeit, die sich schon lange nicht mehr im Gegensatz zu vorgeblich Natürlichem fassen lassen. Beide Versionen seines verdoppelten Blumenstraußes sind künstlich, aber trotzdem nur im Schema identisch, nicht im Detail oder sogar der Anordnung selbst. Auch Vija Celmin’s nachgegossenes und machgemaltes Steinchen gibt die Unterscheidung von Original […] weiterlesen
Band 197, 2009, S. 386

Amine Haase
Im Labyrinth der Bilder
»Une Image peut en cacher une autre - Ein Bild kann ein anderes verbergen«
Arcimboldo – Dali – Raet
Galerie Nationales du Grand Palais, Paris, 8.4. – 6.7.2009
To see a world in a grain of sand
And a heaven in a wild flower
Hold infinity in the palm of your hand
And eternity in an hour.
William Blake
In seiner kulturgeschichtlichen Untersuchung von „Manier und Manie in der europäischen Kunst“ mit dem anschaulichen Titel „Die Welt als Labyrinth“ geht Gustav René Hocke den Spuren einer Geistes- und Kunsthaltung nach, die lange Zeit eher herablassend betrachtet wurde. Sein aufklärendes Buch über den Manierismus beruft sich auf Zeugnisse aus der Zeit „von 1520 bis 1650 und in der Gegenwart“. Die Studie erschien vor mehr als fünfzig Jahren – und Hockes Rehabilitationsversuch könnte direkt auf eine […] weiterlesen











