Band 159, 2002, S. 459
Claudia Wahjudi
Zaubern auf Zechen
Wie das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt werden will
Herbst 2001. Das Ruhrgebiet zeigt sich von seiner werbewirksamen Seite. Im Gasometer Oberhausen hat gerade die Ausstellung "Blaues Gold" eröffnet, eine Inszenierung aus Pumpen, Videoinstallationen, Texttafeln und einem 50 Meter hohen Wasserkegel, die Mythen und Nutzung des Elements Wasser illustriert. Im Landschaftspark Duisburg-Nord, dem ehemaligen Thyssen-Hüttenwerk, das anlässlich der Internationalen Bauausstellung zu einem Veranstaltungskomplex mit Bühnen in Gebläsehallen, Pumpenhaus und Kompressorenraum umgebaut wurde, findet eine Aquaristik-Messe statt. Hier parken Autos aus ganz Nordrhein-Westfalen, Belgien und den Niederlanden. In Essen schließt die Kokerei Zollverein | Zeitgenössische Kunst und Kritik (siehe KUNSTFORUM Bd 158/ 2002) ihre erste Saison erfolgreich mit einem Katalog […] weiterlesen
Band 158, 2002, S. 440
Cornelia Gockel
Streit um Peter Koglers Entwurf für einen neuen U-Bahnhof
In München darf es keine Ameisenstraße in der U-Bahn geben. Das entschied jetzt der Bezirksauschuss Milbertshofen/Am Hart mit überzeugender Mehrheit nach einer langen Debatte. Fast ein Jahr lang dauerte der Kampf um den innovativen Entwurf von Peter Kogler für die Gestaltung des U-Bahnhofs Olympiapark Nord, den die Kunstkommission zur Realisierung vorgeschlagen hatte. Der österreichische Medienkünstler hatte eine serielle Struktur aus schwarzen oder grünen Ameisen in einer Größe von 210 x 120 cm auf weißem Grund geplant, die parallel zu den Gleisen verlaufen sollte. Doch der Bezirksauschuss befürchtete, dass die riesigen Tiere zu bedrohlich auf die Fahrgäste wirken könnten. Um das richtungsweisende […] weiterlesen
Band 154, 2001, S. 472
DIETER BUCHHART
Basisarchiv:kunst
und das Projekt VEKTOR
Das Internet bietet KünstlerInnen zusehends eine immer größere Repräsentationsplattform. Mit nur geringem finanziellen Aufwand können sie einen Server mieten, eine Homepage gestalten oder sich in diverse KünstlerInnendatenbanken eintragen. Bei einer Suche zum Begriff "Künstlerdatenbank" fanden sich je nach Suchmaschine bis zu 1.100 Einträgen, bei den Stichworten "Künstler" bis zu 1,8 Millionen, "artist" zwischen 7 und 19 Millionen und bei "art" überhaupt 28 bis 35 Millionen Links. Das Internet bietet zwar einen demokratischen Zugang für alle, aber die Suche kann sich bei fehlenden genauen Schlagworten bald als sinnlos herausstellen, die Präsenz im Netz gleich einer Annonce in einer SchülerInnenzeitung. Darum erscheint […] weiterlesen
Band 153, 2000, S. 466
JOCHEN BECKER
Smells like Tear Gas
Avant S26: Plattform Prag im September 2000
Wohl 18.000 VertreterInnen der "Weltfunktionseliten" (FAZ) versammeln sich Ende September zur 55. Jahrestagung von Weltbank und Währungsfond in Prag. Und treffen auf den formierten S26-Protest der Globalisierungsgegner. Gemein ist ihnen, die Stadt als Plattform zu nutzen ein kurzer Zwischenstop im fortschreitenden Gipfel-Tourismus. Neben den üblichen BesucherInnen, welche durch Prags pitoreske Innenstadt marodieren, werden 20.000 Protestierende erwartet. Stadt und Land haben sich mit viel Geld auf den zusätzlichen Ansturm vorbereitet. Übereifrig wie ein Klassenprimus will sich der Staat fit für Europa präsentieren. Hierzu fragten tschechische Sicherheitsbehörden über 30 Länder um Amtshilfe für die handelsübliche Aufstandsbekämpfung an. Nun werden an der […] weiterlesen
Band 152, 2000, S. 464
CLAUDIA WAHJUDI
Bilanz mit Bourdieu
Die Berliner Initiative Kunst und Ökonomie
Die Kunst ist kurz davor, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Seit der Künstler als kreativer Selbstständiger gilt, der im Koordinatensystem von Wirtschaft, Design, Stadtmarketing und Eventkultur agiert, steht seine kulturelle und politische Verortung unter ökonomischen Vorzeichen erneut zur Debatte. Wenn alles mit jedem vernetzt ist, wenn das Rhizom nicht mehr Sinnbild für Widerstandskultur ist sondern für die verflüssigten Verhältnisse der Dienstleistungsgesellschaft, so heißt es in der Berliner Initiative "Kunst + Ökonomie", stellt sich auch die Frage nach künstlerischen Inhalten und Arbeitsbedingungen neu: Welche Folgen hat die deregulierte Ökonomie für den Kulturbetrieb, und was passiert eigentlich in all den Netzwerken, […] weiterlesen
Band 151, 2000, S. 472
CLAUDIA HERSTATT
Brüssel,
Kulturhauptstadt Europas
Brüssel als eine von neun Kulturhauptstädten Europas im Jahr 2000 hat die Chance dieses Titels hauptsächlich für sich selbst begriffen und macht sich schön für seine Bewohner. Das seit Jahrzehnten zur Eröffnung anstehende Instrumentenmuseum (MIM) in einem spektakulären Jugendstilbau, einem ehemaligen Kaufhaus des Architekten Paul Saintenoy unterhalb des königlichen Platzes ist nun seit dem 10. Juni endlich zugänglich und bringt auf 3000 Quadratmetern die kostbare Sammlung von über 1500 Instrumenten auditiv über infrarotgesteuerte Kopfhörer zum Klingen.
Viele weitere auf belgische Weise liegengelassene städtische Projekte wurden hergerichtet, ein Gewinn hauptsächlich für die ständig in der Hauptstadt Europas lebenden Menschen. Dem Kultur-Touristen […] weiterlesen
Band 150, 2000, S. 457
ANDREAS DENK
Farwell vom »Zitronenhäusch«
Ein »Gesamtkunstwerk« für Gelnhausen
In Gelnhausen wird ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus abgerissen. Das wäre sogar in der historischen Altstadt der 12000-Einwohner-Gemeinde südöstlich von Frankfurt angesichts der nahezu unrettbaren Substanz des Baus vielleicht nichts Besonderes. Doch ist der Abriss des wegen seiner gelben Fassadenbemalung "Zitronenhäusch" genannten Hauses in der Heimatstadt Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen verbunden mit einem Neubauprojekt der Frankfurter Architekten Seifert + Stöckmann. Gabriela Seifert und Götz Stöckmann betreiben nicht nur ein gemeinsames Büro, sondern arbeiten mit dem Künstler Ottmar Hörl unter dem Namen "Formalhaut" seit den achtziger Jahren im Zwischenfeld von Kunst und Architektur.
Der Eingriff, den der Abriss des alten […] weiterlesen
Band 150, 2000, S. 453
CLAUDIA HERSTATT
Diskussion neu eröffnet:
Kunst im Außenraum
In Hamburg, Hann. Münden, München, Nordhorn, Singen
Eigentlich sollte man meinen, die Diskussion um die Kunst im öffentlichen Raum sei abgefeiert und erledigt; genügend möbliert und dekoriert sind Plätze und Parks, viele Spielarten künstlerischer Strategien durchgespielt und teils gescheitert. Jean Christophe Ammann, Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt: "Es ist nicht so, dass sich die Kunst im öffentlichen Raum verflüchtigt hätte, aber die Vorstellung dessen, was sie sein könnte, hat sich völlig partikuliert. war es einst Symbolkraft des Monuments, später die Ausdruckskraft der Moderne (Richard Serra), dann die funktionale Stringenz (Siah Armajani und seine wunderbare Fußgängerbrücke in Minneapolis), so haben wir es heute mit […] weiterlesen
Band 150, 2000, S. 448
UTE THON
Sanitation-Sensation
Skandal um Hans Haacke-Werk in New York
New York hat einen neuen "Sensation"-Skandal. Zwei Monate nach Ende der umstrittenen Ausstellung junger britischer Künstler im Brooklyn Museum of Art, die der Bürgermeister aufgrund eines angeblich gotteslästerlichen Bildes schließen wollte und damit eine heftige Debatte über Zensur und künstlerische Freiheit auslöste (s. KUNSTFORUM Bd. 148), sorgt nun ein Werk des Künstlers Hans Haacke für Aufregung. Und dass, obwohl die betreffende Arbeit bislang noch gar nicht öffentlich zu sehen war. Die Arbeit mit dem Titel "Sanitation", ein doppeldeutiger Begriff, der im Amerikanischen sowohl für 'Müllabfuhr' als auch für 'Hygiene' steht, ist Haackes Beitrag zur diesjährigen Whitney-Biennale, Amerikas wichtigste Übersichtsschau für […] weiterlesen













