Band 191, 2008, S. 414

Reinhard Ermen
Weiss gegen Braun?
Zum Hearing über die Sanierung der Räume des „Block Beuys“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt am 18. & 19. April 2008
Seit dem Herbst 2007 ist das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) eine Baustelle. Das stolze Haus von Alfred Messel aus dem Jahre 1906 mit seinem universalen Anspruch auf Wissenschaft, Historie und Kunst ist in Bewegung. Ganze Abteilungen wurden leer geräumt, andere stehen bereit für den Abtransport, da und dort warten Skulpturen. Über anderen Stücken und Gruppen schwebt die Hand eines baldigen Zugriffs, Transportkisten stellen sich selbstbewusst in den Weg. Nur eine Abteilung leistet erbitterten Widerstand! Die sieben Räume des „Block Beuys“ sind weitgehend unberührt. Wie eh und je betritt der Besucher hier eine andere Welt. Die produktive Unruhe im Rest des Hauses […] weiterlesen
Band 186, 2007, S. 160

Was ist eine (gute) Ausstellung?
Ok Offenes Kulturhaus Oberösterreich Linz Juni 2005
Die Tagung mit dem Titel „Was ist eine Ausstellung?“ fand vom 16. bis 18. Juni 2005 im OK Offenes Kulturhaus in Linz statt. Wenn zeitgenössisches Ausstellen häufig bedeutet, dass die singuläre Inszenierung eines einzelnen Objektes gegenüber der Gesamtinszenierung zurücktritt. Das Ausstellungsdisplay tritt in den verschiedenen Typen von Ausstellungen in den Vordergrund. Das Spektrum reicht von Kunst- und kultur- bzw. naturwissenschaftlichen Ausstellungen über Themenparks bis hin zu Messen.
Im Rahmen des Linzer Symposiums wurde das Ausstellen nicht nur als ein Medium der Vermittlung verstanden, sondern auch als eine Form von kultureller Bedeutungsproduktion. Das besondere Interesse richtete sich zum einen auf die Transferleistungen zwischen […] weiterlesen
Band 186, 2007, S. 102

Neues Ausstellen
Kunstmuseum Thurgau / Kartause Ittingen Oktober 2006
Das Neue in der Kunstwelt – woran erkennt man es? Bleibt das Neue unbestimmbar, weil es an etwas anschließt und sich gleichzeitig davon absetzt? Die Formulierung von Neuem erfordert auf paradoxe Weise einen Rückgriff auf Strukturen, mit denen sie gleichzeitig brechen will. Ohne ein Nachdenken über das Alte kann die Formulierung von Neuem nicht funktionieren. Etwas Neues entsteht, wenn Menschen es als intellektuelle und intuitive Herausforderung betrachten, mit ihrem ganzen Sensorium gemeinsam zu forschen, zu experimentieren und zu reflektieren.
Neue Museen werden gegründet, Sammlungen erweitert, das Publikum strömt in Massen zu den Ausstellungen. Wenn Ausstellungen zeitgenössischer Kunst von Tausenden von Besuchern frequentiert […] weiterlesen
Band 183, 2006, S. 220

Susanne Boecker
The Biennale Complex
Biennalen-Konferenz Singapur, 31.8. - 2.9.2006
Im Jahr 2000 setzte man sich in Kassel erstmals an einen Tisch: René Block, künstlerischer Leiter der Kunsthalle Museum Fridericianum, lud gemeinsam mit dem Institut für Auslandsbeziehungen zur internationalen Konferenz "Biennalen im Dialog". Angesichts eines regelrechten Biennalebooms mit immer neuen Veranstaltungen auf der ganzen Welt, schien es nicht nur wichtig, für einen Überblick zu sorgen, sondern auch die Vernetzung der einzelnen Institutionen untereinander in Gang zu bringen (siehe Kunstforum Band 152). Im Jahr 2002 lud das ifa-Institut unter dem kritischen Motto "Austausch oder globaler Inzest?" zu einer Folge-Konferenz nach Frankfurt ein (siehe Kunstforum Band 161). Vier Jahre später hält der Biennale-Boom […] weiterlesen
Band 182, 2006, S. 422

Claudia Wahjudi
Von Klangkunst und Klang in der Kunst
Ein Gespräch mit den Kuratoren von "sonambiente festival für hören und sehen", Berlin
Fast zeitgleich zur Fußballweltmeisterschaft fand in Berlin das zweite "sonambiente Festival für Hören und Sehen" statt. Rund 40 internationale Künstler und 20 Studenten der Klangkunst gaben Konzerte und Performances und stellten vom 1. Juni bis 16. Juli in Kulturhäusern, ungenutzten Gebäuden, auf öffentlichen Plätzen und im Internet klingende Arbeiten aus. Wie schon 1996, als sonambiente auf Berliner Baustellen und Brachen einen Kanon der Klangkunst versuchte, sollte das Festival aktuelle Tendenzen zeigen, dieses Mal etwa den Gebrauch von Sounds in der bildenden Kunst. Verantwortlich waren Matthias Osterwold, Leiter des Berliner MaerzMusik-Festivals, und der Wiener Künstler und Projektraumleiter Georg Weckwerth, die bereits 1996 […] weiterlesen
Band 163, 2003, S. 400
SUSANNE BOECKER
Ermittlungen in Sachen Kunstkritik
In diesem Jahr ging es auf der Art Cologne nicht nur um die Kunst, sondern auch um die Kritik an derselben. Während sich die Massen in den Hallen neugierig und schaulustig auf zwei Etagen durch 260 Kojen schoben (auch in diesem Jahr zählte die Messe während ihrer fünftägigen Laufzeit 65.000 Besucher), tagte in einem Nebensaal ein kleiner Kreis von Insidern. Die "Kritikerinitiative Rheinland" hatte dem "Fall Kunstkritik" zur Verhandlung ausgerufen. Dabei ging es nicht um präzise Vorwürfe. Anlass war vielmehr der Verdacht des latenten, von der Entgrenzung des Kunstbetriebs begünstigten, um sich greifenden Machtmissbrauchs seitens der Kritiker. Wie sei die neue […] weiterlesen
Band 162, 2002, S. 156
CHRISTIAN HUTHER
40 Jahre: Fluxus und die Folgen
15 Orte im Innen- und Aussenraum, Wiesbaden, 1.9. - 13.10.2002
Fotos: Wolfgang Träger
Mit zertrümmerten Konzertflügeln und banalen Alltagsobjekten probten sie ab 1962 den Ausstieg aus der Kunst. Die Fluxisten fütterten damit die damals landauf, landab hervorsprießenden Anti-Kunst- und Anti-Establishment-Bewegungen. Später war diese neodadaistische Variante nur noch für die Archive und Vitrinen gut. Jetzt richtete René Block, Fluxus-Spezialist der ersten Stunde und Direktor des Kasseler Museums Fridericianum, zum 40-jährigen Jubiläum in Wiesbaden den Blick nach vorn und zeigte, wie jüngere Generationen diese Ideen weitertragen und auf ganz eigene Weise übersetzen.
Immerhin gilt Wiesbaden als Wiege der Fluxus-Bewegung, die sich aber programmatisch kaum auf einen Nenner bringen lässt. Es ist eben alles, wie der Name schon […] weiterlesen
Band 162, 2002, S. 146
STEFANIE HECKMANN / HERMANN PFÜTZE
Das Verhältnis von Kunst und Demokratie
VIERTER INTERNATIONALER KONGRESS
DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR ÄSTHETIK E. V.
VOM 3. - 6. JULI 2002 IN DER AKADEMIE DER KÜNSTE, BERLIN
I. In medias res
Die Kunst ist schwach, aber sie schärft das Bewusstsein - von Recht und Unrecht, von Missklang und Harmonie, vom Verlust des Eigenen ans Ganze, von der Ethik der Form, von Erregung und Nüchternheit. All' das können die Künste, wenn man sie nur lässt und ihnen nicht von außen zu nahe tritt - will sagen: sie mit Abwehr zu bestimmen sucht. Darin war der gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik, der Akademie der Künste, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Universität Mozarteum Salzburg und dem Sprengelmuseum Hannover veranstaltete Kongress sich einig. Dank großzügiger Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung, die […] weiterlesen
Band 161, 2002, S. 422
SUSANNE BOECKER
AUSTAUSCH ODER GLOBALER INZEST?
2. KONFERENZ "BIENNALEN IM DIALOG" IN FRANKFURT
Sie sind kunstinteressiert, die Kuratoren. Vielleicht ließen sie sich deshalb ein wenig bitten zur 2. Konferenz "Biennalen im Dialog" in Frankfurt. Anstatt über Biennalen zu diskutieren - noch dazu unter der kritischen Fragestellung "Austausch oder Inzest?" - schauten sich viele der Teilnehmer die manifesta an oder erholten sich von den Strapazen des Documenta-Marathons. Auch wenn die Reihen also stellenweise recht spärlich besetzt waren, kam es während der vom Institut für Auslandsbeziehungen organisierten Veranstaltung zu durchaus spannenden Vorträgen und Diskussionen über eine Ausstellungsform, die von einem virtuellen Netzwerk von Biennale-Machern allenthalben und allerorten praktiziert, aber nur selten reflektiert wird. Zu einem ersten […] weiterlesen
Band 158, 2002, S. 442
CLAUDIA WAHJUDI
Marathon mit Diplom
"art works.consulting: Kunst zwischen Gesellschaft und Unternehmen": Ein Seminar in Berlin
Auf dem runden Konferenztisch hatte jemand rote Äpfel und Birnen drapiert. Es war der Abend vor Nikolaus, und Renate Künast sprach über "Kunst und Kultur. Was können wir noch essen?". Um diese Rede hatte das Berliner Haus am Lützowplatz gebeten, das in seiner Reihe "Gastgeberin" Frauen des öffentlichen Lebens zu Vorträgen im Kunstmilieu lädt. Während die Zuhörer ungeachtet der Fragestellung zum Obst griffen, versuchte die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft den Bogen vom letzten Schinken-Skandal zur Kadaverkunst von Hermann Nitsch zu schlagen. Es war Häppchenkost, was die Ministerin servierte, und allenfalls die Anstrengung, die das Thema sie kostete, den höflichen […] weiterlesen









