Band 200, 2010, S. 424

Ich bin ein radikaler Materialist
Tony Cragg ist der neue Rektor an der Kunstakademie Düsseldorf, als Nachfolger von Markus Lüpertz.
Im Gespräch mit Helga Meister äußert er sich zu seinem Vorgänger, zur Situation der Akademie, zur Geschichte der Bildhauerei und zu seiner eigenen Kunst.
Helga Meister: 20 Jahre war Markus Lüpertz Rektor der Kunstakademie Düsseldorf. Eine lange Amtszeit. Sie sagten bei der Akademischen Feier zu Beginn des Wintersemesters, dass Sie ab und zu einen Blick zum Eingangstor werfen, weil Sie immer noch unter dem Eindruck leben, dass er doch vielleicht wieder auftauchen könne. Wie sehen Sie als sein Kollege, sein Freund, sein Nachfolger seine Taten für diese Kunstakademie?
Tony Cragg: Als er die Akademie vor 20 Jahren übernommen hat, und das erfahre ich auf ähnliche Weise gerade in diesen Monaten, ging ein Ruck durch das Haus. Der bekannte „neue Besen“ Effekt. Er hat das jahrelang […] weiterlesen
Band 195, 2009, S. 405

Wahrheit ist keine Ware aus dem Regal
Hannes Böhringer im Gespräch mit Ronald Berg über Wahrheit und Wesen der Kunst jenseits von Kunstmarkt und Kunstbetrieb.
Hannes Böhringer, 1948 in Hilden bei Düsseldorf geboren, ist Professor für Philosophie an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Prägend für sein Verständnis der zeitgenössischen Kunst war – nach eigenen Aussagen - seine Zeit als Lehrbeauftragter für Philosophie an der Düsseldorfer Kunstakademie Mitte der siebziger Jahre, unmittelbar nach dem Abgang von Beuys. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Professor in Münster, Berlin, Kassel und seit 1995 in Braunschweig. Von Böhringer erschienen zahlreiche Buchpublikationen wie: Was ist Philosophie? (1993), Auf der Suche nach Einfachheit. Eine Poetik (2000), Auf dem Rücken Amerikas. Eine Mythologie der neuen Welt im Western […] weiterlesen
Band 192, 2008, S. 400

Das Leipzig-Label ist ein grosser Bonus
Der Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, Joachim Brohm, im Gespräch mit Ronald Berg
Joachim Brohm ist seit 1993 Professor für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und seit 2003 deren Rektor. 1955 in Dülken (Niederrhein) geboren hat Brohm selbst in Essen und bei Allan Sekula in Columbus/Ohio studiert, und war dann als freischaffender Fotograf und als Lehrbeauftragter an den Fachhochschulen in Bielfeld und Dortmund sowie in Chicago und Zürich tätig. Brohms eigene künstlerische Arbeit ist stark von der amerikanischen Farb- bzw. Landschaftsfotografie der 60er und 70er Jahre („New Topographics“) beeinflußt. Das gilt auch und insbesondere für sein Langzeitprojekt „Areal“ (1992-2002), das die Veränderung eines Industriegebietes in ein Wohn- und Dienstleistungsareal thematisiert. […] weiterlesen
Band 182, 2006, S. 417

Heinz-Norbert Jocks
Von Berlin nach New York
Ein Gespräch mit dem Aufsteiger Klaus Biesenbach
Mit seinem Weggang von Berlin nach New York sei die Berliner Kunstszene der letzten fünfzehn Jahre ärmer geworden. Eine Ära sei vorbei. So hieß es in einer Berliner Zeitung. Gemeint war der inzwischen 39-jährige Klaus Biesenbach, der als Kurator für Gegenwartskunst ans Museum of Modern Art in New York wechselte. Als Kunstorganisator, der 1990 scheinbar aus dem Nichts auftauchte, baute er eine alte, marode Margarinenfabrik in der Auguststraße zielstrebig zu einem weltweit angesehenen Kunstzentrum aus. Zusammen mit anderen seiner Generation mietete der Medizinstudent aus Kürten das Gebäude, um in kurzer Zeit ein internationales Programm aufzubauen. Seit 1993 werden die […] weiterlesen
Band 162, 2002, S. 12
Der Bremer Verein "QUARTIER E.V." zur "Förderung der kulturellen Breitenarbeit" hatte Kunststudenten von der HdK Bremen ins Hochhausviertel Osterholz-Tenever eingeladen. Ein Semester lang dienten dort vierzehn leer stehende Wohnungen als Ateliers. Ein städtebauliches Konzept "sieht vor, einzelne Blöcke abzureißen und Tenever insgesamt freundlicher und sinnvoller umzugestalten". Die Kunststudenten waren aufgefordert, sich dem dortigen Alltag auszusetzen und sich mit den Fragen zu beschäftigen: "Wer lebt hier und warum? Was kann man hier erleben ? Wie möchte man hier leben ?" Sabine Schirra porträtierte z.B. ihre Nachbarn in Tenever und ließ zur Abschlussausstellung den Hausmeister die Vernissagenrede halten.
Für den Bereich Medienwissenschaften ist ab […] weiterlesen
Band 50, 1982, S. 160
Bauhaus-Archiv/ Museum
Wissenschaftszentrum, Bonn-Bad Godesberg, Oktober-November 1981
"Von der Malerei zum Design" hätte auch der Untertitel der Ausstellung lauten können, mit der das Berliner Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung im Herbst 1981 im Wissenschaftszentrum in Bonn-Bad Godesberg zu Gast war. Denn mit diesem Motto ist durchaus treffend der historische Entwicklungsprozeß von der freien Kunst hin zur angewandten Gestaltung umschrieben, der für das Bauhaus summa summarum ebenso typisch war wie für die russische Kunst nach der Oktoberrevolution. Andererseits - und die Ausstellung, über die hier zu berichten ist, machte dies exemplarisch deutlich - ist nicht zu übersehen, daß die am Bauhaus lehrenden Meister wie Itten, Klee, Kandinsky, Schlemmer, Moholy-Nagy u.a. keineswegs […] weiterlesen
Band 35, 1979, S. 11
KLAUS HONNEF
Die Kunst wird zu Tode verwaltet
Daß Kunst und Wissenschaft frei sind, verbrieft in der Bundesrepublik Deutschland das Grundgesetz. Es garantiert die Freiheit von Kunst und Wissenschaft ebenso wie die freie Meinungsäusserung. Diese Freiheiten sind Früchte der bürgerlichen Revolution und insofern - historisch gesehen nämlich - vergleichsweise neueren Datums. Also keineswegs selbstverständlich. Wie wenig zum Beispiel die Freiheit der Kunst allgemein als eine Selbstverständlichkeit angesehen wird, zeigt der beständige Ruf des "gesunden Volksempfindens" nach dem Kadi, wenn irgendetwas in der Kunst geschieht, das Tabus verletzt; oder der Antrieb eifriger, übereifriger Staatsanwälte, gegen künstlerische Äusserungen dann einzuschreiten, wenn sie ein Problem schaffen, das die politische und/oder gesellschaftliche Ordnung […] weiterlesen
Band 32, 1979, S. 16
Zwischen Gewährleistungspflicht und Gestaltungsaufgabe
Interview mit dem Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Reimut Jochimsen
Stichwortgeber: Georg F. Schwarzbauer
Die Idee, ein Interview mit dem Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen zu publizieren, ist vor verschiedenem Hintergrund zu sehen. Sie entstand ganz sicherlich spontan durch die Amtsübernahme von Prof. Reimut Jochimsen, der am 26. September 1978 die Nachfolge von Johannes Rau, dem jetzigen Ministerpräsidenten des Landes, angetreten hatte. Mit dieser Amtsübernahme rückte ein Politiker in eines der wichtigsten Ämter des Landes vor, der den Lesern vom KUNSTFORUM International kein Unbekannter ist. Schon in der Dokumentation "Kunst als sozialer Prozeß" (vgl. KUNSTFORUM International Bd. 27, Heft 3, 1978, daselbst Annelie Pohlen: "Bonner Behörden entdecken künstlerischen Sachverstand" p. 184 ff) […] weiterlesen
Band 2 / 3, 1973, S. 155
PETER SAGER
Die Kunstakademie -Stiefkind der Hochschulpolitik
Heiter, in fast klösterlicher Abgeschiedenheit, haben sich unsere Werkräume in dem lichten Wald eingenistet'. Gemeint ist nicht Platons Philosophen-Garten nahe dem Hain des Heros Akademos, der unseren Akademien den Namen gab, sondern eine zeitgenössische Akademie der bildenden Künste, Deutschlands älteste, 1662 in Nürnberg gegründet. Traditionsstolz und zukunftssicher verheißt der Akademie-Prospekt weiter: 'In völliger Freiheit, die freilich nicht mit Anarchie verwechselt werden darf, kann hier jeder in eigener Verantwortung sein Talent entfalten. Wir haben ein kostbares Gut zu verwahren und weiterzugeben. Zwar können wir keinen zum Künstler machen, der nicht den schöpferischen Funken in sich trägt, aber für die wenigen, die berufen […] weiterlesen





