Band 203, 2010, S. 380

Das Ruhrgebiet ist mehr als eine Metropole
Ein Gespräch mit den beiden Museumsdirektoren Heinz Liesbrock und Raimund Stecker von Georg Imdahl
Den "Mythos Ruhr begreifen", die "Metropole gestalten" und "Europa bewegen" möchte das einjährige Programm der Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010. Im Gespräch gehen die beiden Museumsdirektoren Heinz Liesbrock und Raimund Stecker den historischen Ursprüngen der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst in der Region nach - und leiten daraus ihre Kritik am künstlerischen Programm der Kulturhauptstadt 2010 ab. Zugleich bezweifeln sie den behaupteten Anspruch der Programmmacher, das Ruhrgebiet sei eine Metropole oder befinde sich auf dem Weg dorthin.
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Georg Imdahl: Herr Liesbrock, als das Ruhrgebiet zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 gekürt wurde – welche Erwartungen hatten Sie damit verbunden?
Heinz Liesbrock: Dass die eigentümliche Intensität des […] weiterlesen
Band 203, 2010, S. 142

Amine Haase
Kunst kann Wunden heilen
„EmscherKunst 2010 – Eine Insel für die Kunst“, 29. Mai - 5. September 2010
Fotorundgang: Wolfgang Träger
Dass die Kunst über heilende Kräfte verfügt, ist nicht nur ein idealistischer Anspruch von Künstlern und Kunstvermittlern, nicht nur ein Erfahrungswert von Psychologen, sondern inzwischen auch eine Erkenntnis von Soziologen und – Politikern. Ein schönes Beispiel für das Zusammenwirken von Kunst und Politik im weitesten Sinn ist das Projekt „EmscherKunst“, das in diesem Sommer mitten im Ruhrgebiet, zwischen Recklinghausen und Oberhausen, zu besichtigen ist. Bis 2020 soll es alle zwei Jahre erneuert werden. 2020 ist auch das Stichjahr für die Vollendung der Renaturierung der Emscher, des gigantischen Umbaus eines Flusses, der Jahrzehnte lang als Kloake des Ruhrgebiets diente und jetzt in […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 428

Wir setzen hohe Maßstäbe
Rolf Kuhn, der Geschäftsführer der IBA Fürst-Pückler-Land, im Gespräch mit Claudia Wahjudi
Vor zehn Jahren begann die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land mit der Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft im Brandenburger Braunkohlerevier. Jetzt läutet sie, fast zeitgleich mit der IBA Stadtumbau in Sachsen-Anhalt, ihr Finale ein. Von den 30 Projekten, die sie in Arbeit hatte, sind 20 verwirklicht. Für Kunstforum International zieht Geschäftsführer und Ideengeber Rolf Kuhn, 63, Bilanz.
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Herr Kuhn, seit über zwölf Jahren arbeiten Sie für die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land. Wann haben Sie sich einmal gedacht: Es reicht?
Zum Glück nie. Natürlich gab es Rückschläge, etwa im Tagebau Welzow, wo große Erdskulpturen für das Projekt „Wüste/ Oase“ geschaffen werden sollten. Das ist schief gegangen, aber wir haben […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 410

Wir regen an, wir stoßen an und wir begleiten
Ronald Berg im Gespräch mit Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, über ihre Arbeit und die Rolle von Kunst und Kultur in Deutschland.
Seit ihrer Gründung 2002 ist Hortensia Völckers Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes (KSB). Die mit 25 festen Mitarbeitern vergleichsweise kleine Stiftung fördert auf Antrag Kunst- und Kulturprojekte. Schwerpunkt ist dabei die Förderung von Programmen und Projekten im internationalen Kontext. Außerdem initiiert die Stiftung auch eigene Projekte in allen Sparten der Kunst.
Völckers wurde 1957 in Buenos Aires geboren und siedelte erst 1975 in die Bundesrepublik über. Sie studierte Kunstgeschichte und Politologie und gelangte nach Stationen vornehmlich im Münchner Kunstbetrieb (Galerie Herzer, Kunstverein München, Siemens Kulturprogramm, Tanzbiennale München u.a. ) 1995 als persönliche Referentin der Künstlerischen Leiterin Catherine David in das Kuratorenteam […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 387

Wie EON ihr Engagement als Kultursponsor versteht.
Ein Gespräch mit Dorothee Gräfin von Posadowsky-Wehner
Von Heinz-Norbert Jocks
Spätestens seit dem im Kunstforum International abgedruckten Gespräch, in dem sich Jean-Hubert Martin, der ehemalige Direktor des Museums Kunstpalast erstmalig darüber äußerte, was eigentlich hinter den Kulissen passierte und was ihn zu seinem vorzeitigen Weggang von Düsseldorf bewegte, weiß man um die Eingriffe seitens von EON als Sponsor in seine künstlerische Freiheit und Autonomie. Zweimal wurde er aufgefordert, eine Ausstellung der Sammlung Olbricht zu machen, und die Ausstellung „Bonjour Russland“ wurde schließlich an ihm vorbei mit russischen Partnern realisiert. Vor dem Hintergrund der damaligen Ereignisse wollte Heinz-Norbert Jocks erfahren, was für ein Konzept und was für Vorstellungen von Kunst und […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 383

Kunst war immer schon vom Grosskapital abhängig
Ein Gespräch von Georg Imdahl mit Nikolaus Schafhausen
Nicolaus Schafhausen, geboren 1965 in Düsseldorf, ist Kurator sowie Auftraggeber, Autor und Verleger zahlreicher Publikationen zur Gegenwartskunst. Seit 2006 Direktor des Witte de With, Center for Contemporary Art in Rotterdam; lebt in Brüssel. Bevor er seine kuratorische Laufbahn aufnahm, arbeitete er als Künstler. 1991 gründete er die Galerie Lukas & Hoffmann (Berlin/Köln, gemeinsam mit Markus Schneider), die er bis 1994 leitete. Hier realisierte er u.a. die ersten Ausstellungen von Kai Althoff, Olafur Eliasson und Carsten Höller. 1995-1998 war er Leiter des Künstlerhaus Stuttgart, 1995-1996 Berater der documenta X, 1999-2005 Direktor des Frankfurter Kunstvereins, 2003-2005 Kurator für NIFCA, Helsinki (Nordic Institute […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 380

Jürgen Raap
Geplatzte Träume
Zum aktuellen Stand der Kölner Kulturpolitik
Am Wochenende des 8./9. Januar 2010 fanden an Rhein und Ruhr zwei höchst unterschiedliche Ereignisse statt. Mit einem Festakt auf der Essener Zeche Zollverein läuteten die Macher von „Ruhr 2010“ ihr europäisches Kulturhauptstadtjahr ein. 90 km weiter südlich proklamierte derweil das Festkomitee Kölner Karneval sein diesjähriges Dreigestirn. Die zeitliche Parallelität dieser beiden Events entbehrt nicht einer gewissen Sinnbildhaftigkeit. „Köln schaut zu, während das Ruhrgebiet seinen Ruf poliert“, kommentierte der „Kölner Stadtanzeiger“ nicht ohne Wehmut die aktuelle kulturpolitische Situation.
Ihren Ruf zu polieren hätte nämlich auch die Narrenmetropole dringend nötig gehabt. Bis Frühjahr 2010 erwartet man z.B. in Brüssel ein „Signal“ aus Köln, […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 378

Ingo Arend
Es lebe die Kunst!
Zur Diskussion um die Berliner Kunsthalle
"Ich habe mich der Kunst immer so wie der Liebe hingegeben. Ich habe beides als das Gleiche angesehen. Es geht um Ausschließlichkeit. In der Liebe wie der Kunst weiß ich, was ich nicht will“. Ein bisschen hört sich Cornelia Schleime wie Ingeborg Bachmann an, wenn die Berliner Malerin ihre Arbeit erklärt.
In der Temporären Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz hatte ihre Kollegin Karin Sander für ihr Projekt „Zeigen. An Audio Tour through Berlin“ lauter Namen Berliner Künstler auf eine weiße Wand geschrieben. Wer den 599 Stimmen und ihren lyrischen Selbstexplikationen via Kopfhörer folgt, wähnt sich plötzlich in einem Kosmos der Wünsche, Projekte […] weiterlesen








