Ressource Aufmerksamkeit
Herausgegeben von Florian Rötzer

Der Mensch hat bekanntlich nur zwei Augen, mit denen er sehen, und zwei Ohren, mit denen er hören kann. Mit den Augen kann er ein Buch lesen, mit den Ohren einem Gesprächspartner lauschen. Beides im heutigen Zeitalter der überhöhten Geschwindigkeiten zugegebenermaßen nicht gerade optimale Ausnutzungen des Potenzials des menschlichen Erfassungsapparats. Man könnte nämlich schneller mehr erfassen, sich beispielsweise bewegte Bilder anschauen, Argumentationen in verkürzend aufbereiteter Form zur Kenntnis nehmen. Die immer größer werdende Menge an Information zwingt den Menschen jedoch verstärkt, seine Aufmerksamkeit möglichst ökonomisch zu verteilen. Florian Rötzer bezeichnet Aufmerksamkeit als eine "Ressource", laut Duden zum einen also eine Reserve, zum anderen ein "natürliches Produktionsmittel für die Wirtschaft". Tatsächlich steht sie jedem von uns in beschränktem Umfang zur Verfügung und tatsächlich versucht die Wirtschaft mit allen Mitteln, ein möglichst großes Stück für ihre Zwecke davon zu ergattern. Mit der zunehmenden Verbreitung neuer Technologien stößt die Aufmerksamkeit immer weiter an ihre "natürlichen" Grenzen. Das Dilemma: Auf der einen Seite gibt es zu viele Informationen und man sucht nach Filtern und anderen Selektionsmitteln, die dem Menschen einen Teil seiner Aufmerksamkeitsarbeit abnehmen, auf der anderen Seite wächst der Bedarf, immer weitere Informationen erzeugen und erheben zu können. Als Folge dieser Entwicklung werden die Informationen immer ausgefeilter gestaltet, um in der Konkurrenz der Masse wahrgenommen zu werden. Indem die Ästhetik dergestalt den Alltag erobert, zerfällt auch die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Kunst und Wirklichkeit. Von dieser Entwicklung und den Konsequenzen, die die Kunst daraus gezogen hat, handelt die vorliegende Dokumentation. Zum Umgang mit Information im Medienzeitalter siehe auch „Transitorische Turbulenzen“ (Bände 127 und 128, 1994).
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Band 148, 1999, S. 176

Tilman Baumgärtel
Informationsrecycling
Kompostieren, recyceln oder alphabetisch sortieren: Eine Reihe von Internet-kunstprojekten entsorgen für ihre Betrachter den Info-müll
Band 148, 1999, S. 52

Florian Rötzer
Inszenierung von Aufmerksamkeitsfallen
Ästhetik in der Informationsgesellschaft
Band 148, 1999, S. 98

Tilman Baumgärtel
Besseres Fernsehen, schöne Momente
Ein Gespräch zwischen Klaus vom Bruch und Daniel Pflumm
Band 148, 1999, S. 84

Georg Franck
Jenseits von Geld und Information
Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit
Band 148, 1999, S. 95

Florian Rötzer
Geschäftsmodelle in der Aufmerksamkeitsökonomie
Aufmerksamkeit gegen bares Geld
Band 148, 1999, S. 168

Rolf Liese
Der Blick nach links
Eine Bildstrategie, wie unsere Augen gelenkt werden
Band 148, 1999, S. 78

Michael H. Goldhaber
Kunst und die Aufmerksamkeitsökonomie im wirklichen Raum und im Cyberspace
Band 148, 1999, S. 111

Herbert W. Franke
Aufmerksamkeit - zwischen Irritation und Langeweile
Band 148, 1999, S. 116

Charles Lumsden
Darwinistische Poetik
Aufmerksamkeit und Meta-Aufmerksamkeit in der Soziobiologie des Geistes
Band 148, 1999, S. 122

Andreas Brill, Michael de Vries
Consuming CLAUDIA:
Zwischen Netz-»Ästhetik« und virtueller Produktion
Band 148, 1999, S. 128

Florian Rötzer
Pamela Anderson, Webstar Nummer 1
Auf einer offiziellen Website will sie jetzt selbst von der Aufmerksamkeit im Netz profitieren
Band 148, 1999, S. 139

Niels Werber
Zweierlei Aufmerksamkeit in Medien, Kunst und Politik
Band 148, 1999, S. 152

Armin Medosch
In den Korridoren der Macht
New Labour und die »Politik der Aufmerksamkeit«
Band 148, 1999, S. 158

Rolf Sachsse
Kunst als schnelle Nummer
Vom Kampf der Wahrnehmung gegen den Gebührenzähler: Ein deutsches Drama
Band 148, 1999, S. 58

Florian Rötzer
Das Web wird zum Massenmedium
Immer mehr Menschen zieht es zu einigen wenigen Websites
Band 148, 1999, S. 74

Florian Rötzer
Was die Kunden wirklich kaufen wollen
Die Gehirnwellen verraten es
Band 148, 1999, S. 161

Ingo Rentschler, Erhardt Barth
Vom Vorteil der tätigen Veränderung bildlicher Vorstellungen
Band 148, 1999, S. 106

Tilman Baumgärtel
»Kunst gibt einem die Lizenz, unverantwortlich zu handeln«
Matthew Fuller von der britischen Künstlergruppe I/O/D im Gespräch mit Tilman Baumgärtel
Band 148, 1999, S. 108

Florian Rötzer








