London
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WHITECHAPEL ART GALLERY
Rachel Harrison. Conquest of the Useless
30. Apr. - 20. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 358

Edgar Schmitz
Rachel Harrison
»Conquest of the Useless«
Whitechapel Gallery, 30.4. – 20.6.2010
In Harrisons Arbeiten ist die Frage des Displays zwar zentral, und auch überdeutlich vorgegeben. Sie ist aber auch immer mit verschiedensten Unangemessenheiten durchschossen, die scheinbar spielerisch das Feld neu verorten. Aus Verkaufsstellagen werden Podeste und Objekte, die in geradezu kunsthistorischer Akribie das Verhältnis von Sockel und Skulptur/ Figur aufgreifen und untergraben und öffnen, nur um sich dann neben Sockeln zu finden, die Harrison sich aus verschiedenen Londoner Institutionen zusammengeliehen hat und hier als Spiel mit der Museumskonvention inszeniert. Die Podeste sind so beides, symbolisch überladene Museumsarchitektur und objets trouvés einer materiellen Kultur, die sich neben die Fundstücke gesellt, die sie eigentlich […] weiterlesen
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TATE BRITAIN
Rude Britannia
09. Jun. - 05. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 356

Edgar Schmitz
Rude Britannia
»Witze für den Massenmarkt«
Tate Britain, 9.6. – 5.9.2010
Wahrscheinlich gilt es erstmal als erfreulich, dass der Witz museumsfähig ist, und vielleicht ist es auch noch interessant, was passiert, wenn er als nationales Charakteristikum (und Objekt nationalen Stolzes) zusammengestellt wird. Die Ausstellung präsentiert eine Art Index angeblich spezifisch englischer Spielarten des Komischen und breitet diese durch die Jahrhunderte (von Hogarth und Gillray bis Spitting Image) und in der Spannung zwischen Hochkunst und Populärmedien aus. Was dabei aber von den Arbeiten übrig bleibt (von den Arbeiten selbst, und von ihrem Witz-Potential), ist ein andere Frage.
Das kuratorische Primat liegt deutlich auf einfacher Verarbeitungsfähigkeit: Der an sich starke historische Teil ist mit […] weiterlesen
Istambul
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KUNSTRAUM ARTER
Starter. Werke aus der Vebi Koc Collection
08. Mai. - 19. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 352

Dirk Schwarze
Starter
»Werke aus der Vebi Koc Collection«
Kunstraum „Arter“, Istanbum, 8.5. – 19.9.2010
Istanbul im Aufbruch. Nur sechs Jahre nach der Gründung des „Istanbul Modern Sanat Müzesi“, des ersten privaten Museums für zeitgenössische Kunst in Istanbul, meldet sich jetzt mit dem Kunstraum „Arter“ ein zweiter Standort für aktuelle Kunst zu Wort. Dieser Kunstraum ist ein Ausstellungsgebäude und will nicht als Museum verstanden werden. Er soll aber zur Entwicklung eines Museums beitragen, das möglichst auf dem ehemaligen Marine-Gelände entstehen soll. In „Arter“ wird mit 160 Arbeiten von 87 Künstlern ein kleiner Teil der Sammlung der Vehbi Koc Foundation Contemporary Art Collection gezeigt, die von dem Berliner Galeristen und früheren Direktor der Kunsthalle Fridericianum in Kassel, […] weiterlesen
Monaco
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OZEANOGRAFISCHES MUSEUM
Damien Hirst. Cornucopia
02. Apr. - 30. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 350

Fabian Stech
Damien Hirst
»Cornucopia«
Ozeanografisches Museum, Monaco, 2.4.2010 – 30.9.2010
Damien Hirst ist im Aquarium der Kunst das, was man im Englischen treffend einen “Apex Predator” nennt. Wie der Protagonist seines berühmtesten Kunstwerks – der Hai in “The impossibility of death in the mind of someone living” – steht er am Ende der Nahrungskette. Sobald im Gebiss ein paar Zähne fehlten, schob Damien Hirst bisher immer eine seiner sieben funkelnagelneuen rasiermesserscharfen Zahnreihen nach vorne. Die spektakuläre Versteigerung seiner Kunstwerke bei Sothebys im Jahr 2008 mit einem Erlös von 140 Millionen Euro passt genauso in dieses Bild, wie die Episode um den Diamantenschädel “For the Love of God”, den er sich im […] weiterlesen
Paris
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MUSÉE D'ART MODERNE DE LA VILLE DE PARIS
Dynasty
11. Jun. - 02. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 347

Fabian Stech
Dynasty
»Von künftigen Königinnen und Königen der französischen Kunstwelt«
Palais de Tokyo und Musée d’art Moderne de la ville de Paris, 11.06-02.09.2010
Bling Bling ist eines der Schlagworte der Herrschaft von Nicolas Sarkozys. Von den Klamotten bis zur Personalauswahl und dem personifiziertem Führungsstil muss alles glitzern. Da nimmt es nicht Wunder, dass das Relationale der Kunst, das noch zur Jahrtausendwende frenetisch postuliert wurde, der Austausch zwischen Künstler und Zuschauer, heutzutage de facto einer Monarchie weichen muss, die nicht nur die Politik in Frankreich prägt, sondern auch auf Bereiche Kultur und den Sport übergreift. Dennoch ist unsägliche Titel der Ausstellung Dynasty ist zu mindest irreführend. Geht es doch nicht darum Herrscherdynastien aufzuzählen, sondern eher um die jungen Thronfolger, diejenigen, die bis zur nächsten Generation […] weiterlesen
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PALAIS DE TOKYO
Dynasty
11. Jun. - 02. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 347

Fabian Stech
Dynasty
»Von künftigen Königinnen und Königen der französischen Kunstwelt«
Palais de Tokyo und Musée d’art Moderne de la ville de Paris, 11.06-02.09.2010
Bling Bling ist eines der Schlagworte der Herrschaft von Nicolas Sarkozys. Von den Klamotten bis zur Personalauswahl und dem personifiziertem Führungsstil muss alles glitzern. Da nimmt es nicht Wunder, dass das Relationale der Kunst, das noch zur Jahrtausendwende frenetisch postuliert wurde, der Austausch zwischen Künstler und Zuschauer, heutzutage de facto einer Monarchie weichen muss, die nicht nur die Politik in Frankreich prägt, sondern auch auf Bereiche Kultur und den Sport übergreift. Dennoch ist unsägliche Titel der Ausstellung Dynasty ist zu mindest irreführend. Geht es doch nicht darum Herrscherdynastien aufzuzählen, sondern eher um die jungen Thronfolger, diejenigen, die bis zur nächsten Generation […] weiterlesen
Zürich
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KUNSTHALLE ZÜRICH
Rosemarie Trockel. Die Verflüssigung der Mutter
08. Mai. - 15. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 344

Max Glauner
Rosemarie Trockel
»Verflüssigung der Mutter«
Kunsthalle Zürich, 8.5. – 15.8.2010
Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich Zürichs Kunsthalle von ihrem Quartier im Löwenbräuareal: Man zeigt bis Mitte August „Rosemarie Trockel – Die Verflüssigung der Mutter“. Danach wird hier zwei Jahre saniert. Dann müssen die Kunsthalle wie ihre Nachbarn, das Migros Museum, einige Galerien, darunter Hauser & Wirth und Eva Presenhuber, Ausweichquartiere beziehen. Während die Einen mit düsteren Pferdekadaver-Skulpuren von Berlinde De Breuyckere (Hauser & Wirth) Abschied nehmen oder mit einer Auswahl aus den Sammlungsbeständen (Migros Museum), zeigt die Direktorin des Züricher Kunstvereins Beatrix Ruff eine längst überfällige monografische Ausstellung der Ausnahmekünstlerin aus Köln. Ein besonderer Glücksfall: Im nahen Basel werden im Kupferstichkabinett […] weiterlesen
Basel
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KUNSTMUSEUM BASEL
Gabriel Orozco
18. Apr. - 08. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 342

Hans-Dieter Fronz
Gabriel Orozco
»Der Künstler als Jäger und Sammler«
Kunstmuseum Basel, 18.4. – 8.8.2010
Die Schlankheitskur der Göttin war augenscheinlich von Erfolg gekrönt. Einen Citroën DS, Baujahr 1960, ließ Gabriel Orozco der Länge nach in drei Teile zersägen, das mittlere Drittel entfernen und die beiden übrigen Teile zusammenschweißen. Mit „La DS“ (der wohl kalkulierte Titel ist im Französischen homophon zu ‚la déesse’, übersetzt: ‚die Göttin’) wurde Orozco seinerzeit berühmt. Bald zwanzig Jahre ist das jetzt her, aber noch heute verfehlt die schmalgesichtige Schrumpfform des kultigen Automobils ihre Wirkung nicht. Wie dem spektakulären Readymade da der erste Saal der großen Übersichtsausstellung zum Werk des Mexikaners im Kunstmuseum Basel fast allein zur Bühne dient, ist es ein […] weiterlesen
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SCHAULAGER
Matthew Barney. DRAWING RESTRAINT 1 – 18
12. Jun. - 03. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 339

Thomas W. Kuhn
Matthew Barney
»DRAWING RESTRAINT 1 – 18«
Kein Gegenstand ohne Widerstandt
Schaulager, Basel, 12.6. – 3.10.2010
Es war der gemeinsame Kauf von Matthew Barney's (*1967 in San Francisco) Archiv der Performance Reihe Drawing Restraint durch das Museum of Modern Art in New York und der Laurenz-Stiftung, Trägerin des Schaulagers in Basel, die Anlass bot, die bis dato 16-teilige Serie zu präsentieren und durch zwei neue Teile (Nr. 17 und 18) fortzusetzen. Auf Vorschlag Matthew Barney's wurde Neville Wakefield als Kurator ausgewählt, der das realisierte Ausstellungskonzept entwickelte, die Gegenüberstellung von Werken der mitteleuropäischen Kunst des 15. bis 18. Jahrhunderts aus dem Themenfeld der christlichen Ikonografie mit Werken US-Amerikaners: Vitrinen, Videos, Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen, die als sogenannte […] weiterlesen
Wien
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SECESSION
Jirí Kovanda. White Blanket
30. Apr. - 20. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 337

Hans-Jürgen Hafner
Jirí Kovanda
»White Blanket«
Secession, Wien, 30.4. – 20.6.2010
Das künstlerische Projekt von Jirí Kovanda ist nicht eben leicht zu fassen. Etwa seit Mitte der 1970er Jahre ist der tschechische Künstler (Jg. 1953) aktiv. Und hat seitdem ein medial wenigstens ebenso vielgestaltiges wie in seiner Struktur gestenhaftes Werk vorgelegt, das seit rund einem Jahrzehnt auf gesteigertes Interesse im internationalen Kunstbetrieb stößt.
Besonders im Fokus sind dabei die frühen Aktionen, Performances bzw. performativen oder interventionistischen Arbeiten Kovandas geraten. Arbeiten, die häufig hochgradig ephemeren, beiläufigen Charakters sind. Die, ohne direkt ein Publikum zu adressieren oder überhaupt als Kunst ausgewiesen Aufmerksamkeit zu erregen, auf jene Grenzen zielen, die einen Sachverhalt als der Kunst zugehörig […] weiterlesen
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GENERALI FOUNDATION
Hinter der Vierten Wand.. Fiktive Leben – Gelebte Fiktionen
02. Jun. - 15. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 335

Franz Thalmair
Hinter der Vierten Wand.
»Fiktive Leben – Gelebte Fiktionen«
Generali Foundation, Wien, 2.6. – 15.8.2010
Zuerst leises Gemurmel, das sich zu einem Teppich an Menschenstimmen verdichtet, dann Stille, die harsch von zwei, drei, mehreren konkreten Worten und Sätzen unterbrochen wird – die Geräuschkulisse, die beim Betreten der aktuellen Ausstellung in der Wiener Generali Foundation zu vernehmen ist, könnte auch hinter den Kulissen eines Theaters zu hören sein: Bühne, Ausstellungsraum, Wahrheit, Fiktion – changierendes Trugbild oder konkrete Manifestation der Wirklichkeit? Als Kulisse und gleichzeitig roter Faden für die Ausstellung „Hinter der Vierten Wand. Fiktive Leben – Gelebte Fiktionen “ dient das gleichnamige Konzept Denis Diderots, das der Schriftsteller und Enzyklopädist im 18. Jahrhundert als eine Art „Mittlerin […] weiterlesen
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MUMOK (MUSEUM MODERNER KUNST STIFTUNG LUDWIG WIEN)
Bilder über Bilder. Diskursive Malerei von Albers bis Zobernig
26. Mrz. - 27. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 333

Ursula Maria Probst
Bilder über Bilder
»Malerei von Albers bis Zobernig«
MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 26.3. – 27.6.2010
Der in den vergangenen Jahren vernachlässigte Malereidiskurs erfährt derzeit wieder einen Aufschwung. Die Ausstellung „Bilder über Bilder. Diskursive Malerei von Albers bis Zobernig“ mit Werken aus der Daimler Kunst Sammlung plädiert für eine aktualisierte auf historischen Kenntnissen basierende Auseinandersetzung. Klassikern von Josef Albers, Oskar Schlemmer, Jean Arp oder Georges Vantongerloo sind Werke und Werkgruppen von den 1960er bis 1990er Jahre gegenübergestellt, die von John M Armleder, Daniel Buren, Andre Cadere über Rupprecht Geiger, Donald Judd, John McLaughlin bis Francois Morellet reichen. Ergänzt werden diese durch aktuelle Positionen von Eva Berendes, Ulrike Flaig, Sarah Morris, Julian Opie oder Katja Strunz. Bereits die […] weiterlesen
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MUMOK (MUSEUM MODERNER KUNST STIFTUNG LUDWIG WIEN)
Brigitte Kowanz. Now I See
25. Jun. - 03. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 330

Ursula Maria Probst
Brigitte Kowanz
»Now I See«
MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 25.6. – 3.10.2010
Das Betreten der Ausstellungsebene 4 direkt am Eingang des Mumok versetzt uns in eine außergewöhnliche visuelle und körperliche Erfahrung. Der gesamte Raum von 450 Quadratmetern wurde von Brigitte Kowanz anlässlich ihrer Retrospektive „Now I see“ in eine betretbare Spiegelkubatur transformiert, die als „Spiegelsaal“ weitere Spiegelobjekte und Leuchtschriften enthält. Das wechselseitige Bespiegeln der Motive bewirkt eine Auflösung klarer, materieller und visueller Referenzen in der räumlichen, installativen Inszenierung. Die Lichtspuren reflektieren in unendlichen Widerspiegelungen, reißen visuelle Abgründe auf. Wörter wie „Complexity“, „Aura“, „Moments“, „Simultaneous“ oder „Extension“ tauchen auf und imaginieren gleichzeitig eine Dynamik und Instabilität. Licht ist das Medium in den Objekten und […] weiterlesen
München
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RATHAUSGALERIE KUNSTHALLE
Superfemmes. Patricia London Ante Paris und Gäste
08. Mai. - 19. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 328

Heinz Schütz
Superfemmes
»Patricia London Ante Paris und Gäste«
Rathausgalerie München, 8.5. – 19.6.2010
Mit dezidiert politischen Forderungen trat der Feminismus in den Siebziger-Jahren an die Öffentlichkeit. Im „Postfeminismus“ der Achtziger-Neunziger-Jahre wurde das explizit Politische überlagert durch die aufs geschlechtsspezifisch Ganze gehende, aber im theoretischen Diskurs verhaftete Dekonstruktion von Geschlechterdifferenzen. Im letzten Jahrzehnt nun wurden feministische Forderungen auch von denjenigen, die von den inzwischen historischen Errungenschaften profitieren, zunehmend ignoriert. Vordergründig betrachtet könnte es erscheinen, als ob die Frauenemanzipation im gesellschaftlichen Alltag angekommen ist, wobei einige markante Modifikationen zu konstatieren sind. So wurde etwa die einstige feministische Ablehnung, sich für den männlichen Blick als „Sexualobjekt“ zuzurichten, inzwischen überlagert durch das Bild der mit Stöckelschuhen bewaffneten Karrierefrau. […] weiterlesen
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GALERIE KARIN SACHS
Rune Mields. Der Gauss-Code und die Vögel
07. Mai. - 17. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 326

Martin Blättner
Rune Mields
»Der Gauss-Code und die Vögel«
Galerie Karin Sachs, 7.5. – 17.6.2010
Ohne den Titel „Der Gauss-Code“ gelesen zu haben, könnte man das monumentale Acrylbild auf Leinwand zunächst für eine Huldigung an den „Suprematismus“ von Kasimir Malewitsch (um 1878-1935) halten, an die Elementarformen der bildnerischen Reduktion, wobei Kreuz und Fläche nur als Plus- und Minuszeichen im Erscheinung treten. Tatsächlich handelt es sich aber bei der grafischen Abfolge eines rhythmisierten binären Codes um die Darstellung elektromagnetischer Impulse, eben der visuellen Auseinandersetzung mit dem Gauß-Weber-Telegraph.
1833 tauschten die beiden Göttinger Gelehrten Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber die ersten Nachrichten über elektromagnetisch beeinflusste Kompassnadeln aus. „Wissen vor Meinen – Sein vor Scheinen“ lautete eine der […] weiterlesen
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PINAKOTHEK DER MODERNE
Neo Rauch. Begleiter
20. Apr. - 15. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 324

Jolanda Drexler
Neo Rauch
»Begleiter«
Pinakothek der Moderne, München, 20.4. – 15.8.2010
Das Phänomen Neo Rauch ist schwer zu fassen. Der international ungemein renommierte Vertreter der Leipziger Schule fasziniert nicht nur als Maler rätselhafter, immer opulenter werdender Bilder sondern auch als besonnener und fundierter Exeget seines Werks und nicht zuletzt als einnehmende, von den Medien gehätschelte Persönlichkeit, die dem aktuellen Hype distanziert standhält. Dass ein solcher Künstler Publikum wie Kritik spaltet, liegt auf der Hand. Während sich die Gegner von angeblich anachronistischen Historienschinken mit deutlich deutschtümelndem, verquast-depressivem Einschlag peinlich berührt fühlen, erkennt die Mehrheit in Neo Rauch einen Malvirtuosen in der großen kunsthistorischen Tradition von Tizian, Tintoretto, El Greco bis Beckmann, Bacon […] weiterlesen
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HAUS DER KUNST MÜNCHEN
Weniger ist mehr. Die Sammlung Daled
30. Apr. - 25. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 323

Heinz Schütz
Weniger ist mehr
»Die Sammlung Daled«
Haus der Kunst, München, 30.4. – 25.7.2010
Das beginnende 21. Jahrhundert besiegelt im Kunstbetrieb neben dem Aufstieg des Kurators den Aufstieg des Sammlers. Im Gegensatz zum inzwischen anachronistisch anmutenden Mäzen, der hinter Kunst und Künstlern zurücktritt, überschreibt der neue Sammlertypus seine Sammlung mit seinem Namen, er tritt an die Öffentlichkeit und baut sich gegebenenfalls sein eigenes Museum mit womöglich öffentlichen Mitteln. Sicherlich, auch zuvor gingen Privatsammlungen in Museen auf und über, auch zuvor waren Sammler für Künstler insbesondere als Käufer von Bedeutung, doch der Stellenwert privater Sammlungen geht heute darüber hinaus. Sie tragen zunehmend dazu bei, Kunst im hierarchischen Gefüge der Kunstwelt und des Marktes zu positionieren, was […] weiterlesen
Baden-Baden
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STAATLICHE KUNSTHALLE BADEN-BADEN
Christopher Williams. For Example: Dix-Huit Leçons Sur La Société Industrielle (Revision 11)
12. Jun. - 29. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 320

Johannes Meinhardt
Christopher Williams
»Richtig gedacht / richtig gemacht«
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 12.6. – 29.8.2010
Christopher Williams macht alles richtig. Es ist richtig, dass dieselben Fotografien, in verschiedenen Räumen mit jeweils anderen Fotografien kombiniert, sich für die Wahrnehmung verändern und, da sie andere Beziehungen eingehen, ihre Bedeutung verschieben. Es ist richtig, dass sich das Verhältnis von Fotografie und Untertitelung – ein Verhältnis von zu erschließendem Kunstwerk und von erschließenden Titeln und Informationen – verändert, teilweise sogar umkehrt, wenn die Fotos einfache Sujets zeigen, die Untertitel aber lange Listen von Informationen liefern, die auch alles Schriftliche, das im Foto anwesend ist oder (da es verdeckt ist) potentiell anwesend ist, mitumfasst – der Überfluss irrelevanter Information macht den […] weiterlesen
Karlsruhe
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MUSEUM FÜR NEUE KUNST/ ZKM
fast forward 2. The Power of Motion. Medienkunst aus der Sammlung Goetz
18. Jun. - 03. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 318

Cornelia Gockel
fast forward 2
»The Power of Motion«
Medienkunst aus der Sammlung Goetz
ZKM/ Museum für Neue Kunst, 18.6. – 3.10.2010
Es ist dunkel im Dschungel von Nathalie Djurberg. Jedoch angelockt von den seltsamen Geräuschen betreten die Besucher ihre vegetabile Wunderwelt. Phantastische Pflanzen in schillernden Farben säumen den Weg. Begierig recken sie ihre feucht glänzenden, weit geöffneten Blütenkelche den Besuchern entgegen. Fette, vollgefressene Raupen lagern träge auf den bunten Blättern. „So könnte es im Paradies aussehen!“, mag so mancher denken. Doch der erste Eindruck täuscht, denn hinter der üppigen Blütenpracht lauert das Grauen. Auf drei Screens sind Animationsfilme aus Knetfiguren zu sehen, die so ziemlich alle Torturen erleiden müssen, die man sich vorstellen kann. Wundersame Blüten verwandeln sich darin in bösartige, fleischfressende […] weiterlesen
Waldenbuch
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MUSEUM RITTER
Timm Ulrichs. Blick zurück nach vorn
09. Mai. - 19. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 316

Matthias Reichelt
Timm Ulrichs
»Blick zurück nach vorn«
Erhellende Paradoxien und zu Bildern generierte Konzepte
Museum Ritter, Waldenbuch, 9.5. – 19.9.2010
Francis Picabias berühmtes Aperçu „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“ passt trefflichst auf Timm Ulrichs und sein polyglottes Werk. Immer wieder hat er Sprache auf das Buchstäbliche und Redewendungen auf deren Vielschichtigkeit abgeklopft, gegen den Strich gebürstet und Erstaunliches zu Tage gefördert und dies in treffende Bilder und Sprachbilder umgesetzt. Es gibt kaum ein Medium und ebenso kaum ein Genre, dem sich Ulrichs in seiner über 50-jährigen Praxis als Künstler nicht schon bedient und angenommen hätte. Bei seiner vielseitigen Kunst blieb die Wiedererkennbarkeit auf der Strecke, was unter anderem zur Folge hat, dass er als Künstler […] weiterlesen
Darmstadt
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KUNSTHALLE DARMSTADT
Märchen Kunst
06. Jun. - 03. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 314

Christian Huther
Märchen Kunst
Kunsthalle Darmstadt, 6.6.-3.10.2010
Die Ideen fliegen ihm nur so zu. Er muss lediglich die durch den Raum flatternden Notizen und Zeichnungen auffangen, die bereits von unbekannter Hand zu Papier gebracht wurden. Ein modernes Märchen, wie jeder weiß, der mit Künstlern zu tun hat. Die Realität sieht anders aus. Aber William Kentridges Film über eine imaginäre Reise zum Mond – mittels Kaffeekanne als Rakete – bringt den Widerspruch zwischen Märchen und Wirklichkeit auf den Punkt. Deshalb hat Peter Joch, der Leiter der Darmstädter Kunsthalle, auch Kentridge mit ausgewählt für seine klug durchdachte und geschickt in Szene gesetzte Ausstellung „Märchen Kunst“.
Denn zeitgenössische Künstler verwenden Märchenfiguren oder […] weiterlesen
Frankfurt am Main
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GALERIE MARTINA DETTERER
Robert Klümpen. Master of Darkness
08. Mai. - 19. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 312

Magdalena Kröner
Robert Klümpen
»Master of Darkness«
Galerie Martina Detterer, Frankfurt/Main, 8.5. – 19.6.2010
Schwarz ist wie eine Pforte. Man tritt ein, und weil es dahinter immer noch dunkel ist, setzt die Phantasie ein . . . Man sieht das, wovor man Angst hat, . . . wie in einem Traum,” sagte der Regisseur David Lynch einmal.
Anfang des Jahres hieß es bei Robert Klümpen noch „Ich bring Frische“. Letztere versprach 1973 geborene Maler, der bei Dieter Krieg studierte, auf seiner Einladung zur Düsseldorfer Ausstellung, im weißen Anzug mit einer großen Möhre aus Stoff, die er wie zum Tanz im Arm hielt. Nun tritt er als „Master of Darkness“ in die Fußstapfen Lynchs und inszeniert in […] weiterlesen
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PORTIKUS
Jimmie Durham. Rocks Encouraged
05. Jun. - 01. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 310

Christian Huther
Jimmie Durham
»Rocks Encouraged«
Portikus, Frankfurt/Main, 5.6. – 1.8.2010
Steine haben es ihm angetan. Sie ziehen ihn magisch an, stoßen ihn aber auch ab. Besonders Europa erscheint dem Amerikaner Jimmie Durham als eine einzige Kathedrale. Durham kennt Europa gut. Hier weilt er des Öfteren für längere Zeit, seitdem er in Genf zwischen 1969 und 1973 Kunst studiert hat. Freilich vermisst er in Europa das Leben. Denn Statik und starre Form färben nach seiner Meinung auch auf die Menschen ab, so dass sie selbst zu Steinen, zu einem Teil der Architektur werden. Doch die Steine will der mittlerweile 69-jährige Künstler von der Last der Architektur befreien. Möglicherweise faszinieren ihn deshalb besonders […] weiterlesen
München
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MUSEUM VILLA STUCK
Uwe Lausen. Ende schön alles schön
25. Jun. - 03. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 309

Sigrid Feeser
Uwe Lausen
»Ende schön alles schön«
Schirn Kunsthalle Frankfurt, 4.3. – 13.6.2010
Museum Villa Stuck, München, 25.6. – 3.10. 2010
Sammlung Falckenberg, Hamburg, 22.12.2010 – 23.1. 2011
Er war überheblich, von der eigenen Genialität felsenfest überzeugt, unerträglich arrogant: ein richtiges Ekel. Hätte er sich nicht 1970 im Alter von neunundzwanzig Jahren nur neunundzwanzig Jahren das Leben genommen, wäre vielleicht doch noch ein Großkünstler wie Sigmar Polke und Gerhard Richter aus aus ihm geworden. Grund genug, aus historischer Distanz einmal genauer auf seine von der Pop Art inspirierten Bilder zu blicken. In einer etwa sechzig Gemälde und fast ebensoviele Papierarbeiten und Comicfolgen umfassenden Retrospektive fragen Schirn Kunsthalle, Stuck-Villa und Sammlung Falckenberg danach, wie es wirklich war mit diesem Uwe Lausen: Und entdecken ein ebenso spannendes wie quälendes Kapitel der […] weiterlesen
Hamburg
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SAMMLUNG FALCKENBERG - KULTURSTIFTUNG PHOENIX ART
Uwe Lausen. Ende schön alles schön
22. Dez. 2010 - 23. Jan. 2011
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Band 203, 2010, S. 309

Sigrid Feeser
Uwe Lausen
»Ende schön alles schön«
Schirn Kunsthalle Frankfurt, 4.3. – 13.6.2010
Museum Villa Stuck, München, 25.6. – 3.10. 2010
Sammlung Falckenberg, Hamburg, 22.12.2010 – 23.1. 2011
Er war überheblich, von der eigenen Genialität felsenfest überzeugt, unerträglich arrogant: ein richtiges Ekel. Hätte er sich nicht 1970 im Alter von neunundzwanzig Jahren nur neunundzwanzig Jahren das Leben genommen, wäre vielleicht doch noch ein Großkünstler wie Sigmar Polke und Gerhard Richter aus aus ihm geworden. Grund genug, aus historischer Distanz einmal genauer auf seine von der Pop Art inspirierten Bilder zu blicken. In einer etwa sechzig Gemälde und fast ebensoviele Papierarbeiten und Comicfolgen umfassenden Retrospektive fragen Schirn Kunsthalle, Stuck-Villa und Sammlung Falckenberg danach, wie es wirklich war mit diesem Uwe Lausen: Und entdecken ein ebenso spannendes wie quälendes Kapitel der […] weiterlesen
Frankfurt am Main
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SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Uwe Lausen. Ende schön alles schön
04. Mrz. - 13. Jun. 2010
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Sigrid Feeser
Uwe Lausen
»Ende schön alles schön«
Schirn Kunsthalle Frankfurt, 4.3. – 13.6.2010
Museum Villa Stuck, München, 25.6. – 3.10. 2010
Sammlung Falckenberg, Hamburg, 22.12.2010 – 23.1. 2011
Er war überheblich, von der eigenen Genialität felsenfest überzeugt, unerträglich arrogant: ein richtiges Ekel. Hätte er sich nicht 1970 im Alter von neunundzwanzig Jahren nur neunundzwanzig Jahren das Leben genommen, wäre vielleicht doch noch ein Großkünstler wie Sigmar Polke und Gerhard Richter aus aus ihm geworden. Grund genug, aus historischer Distanz einmal genauer auf seine von der Pop Art inspirierten Bilder zu blicken. In einer etwa sechzig Gemälde und fast ebensoviele Papierarbeiten und Comicfolgen umfassenden Retrospektive fragen Schirn Kunsthalle, Stuck-Villa und Sammlung Falckenberg danach, wie es wirklich war mit diesem Uwe Lausen: Und entdecken ein ebenso spannendes wie quälendes Kapitel der […] weiterlesen
Remagen
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ARP-MUSEUM
Die Skulptur und ihr Sockel seit Auguste Rodin
25. Jun. - 24. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 305

Martin Seidel
Das Fundament der Kunst
»Die Skulptur und ihr Sockel seit Auguste Rodin«
Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 25.6. – 24.10.2010
Themenausstellungen sind beliebt. Beliebt vor allem sind jene, die die Kunst an aktuellen gesellschaftlichen Diskursen beteiligen. Seltener wendet man sich den ureigenen Phänomenen der Kunst, Form-, Farb-, oder Materialfragen, zu. Auch so etwas Elementares wie der Sockel in der Bildhauerei stand bislang nicht in den Agenden der Kuratoren.
Dabei ist der Sockel ein überaus wandlungsfähiges und entsprechend vielschichtiges Phänomen, das mehr beinhaltet als die wie auch immer geartete Standfläche von Sonnenkönigen und Dichterfürsten, von Siegern und Herrschern. Wie abwechslungsreich und spannend die Auseinandersetztung mit dem Sockel sein kann, zeigt die Ausstellung "Das Fundament der Kunst. Die Skulptur und ihr Sockel seit Auguste […] weiterlesen
Leverkusen
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MUSEUM SCHLOSS MORSBROICH
Das Theater ist auf der Strasse – Die Happenings von Wolf Vostell
06. Jun. - 15. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 302

Reinhard Ermen
Zuschauer sind nicht erwuenscht
»Das Theater ist auf der Strasse – Die Happenings von Wolf Vostell«
Museum Morsbroich, Leverkusen, 6.6. – 15.8.2010
Das erste Happening von Wolf Vostell (1932–1998) war schon 1954 in Wuppertal geplant: „Skelett“. Ein detailliertes Konzept hat sich erhalten; „legen sie in die wupper 100 skelette von tieren und menschen auch rohes fleisch und innereien ohne erklaerung“, damit wird der Reigen der 19. Handlungsanweisungen eröffnet, „faerben sie die wupper rot“, heißt es im zweiten Schritt, mit einem (weiteren) Vorgeschmack auf kommende antikapitalistische Revolten sollte dieser Angriff auf die Gemütlichkeit enden: „vor einem bankgebäude stehen leute, die NEIN sage“. Eine „umgebungsveraenderung“ im weitesten Sinne war intendiert, „mit x-beliebigen mitteln“, und zwar „ueber nacht“. Doch das Ganze findet nur zum Teil statt. […] weiterlesen
Köln
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NEUES KUNSTFORUM
Thomas F. Fischer. d’javu 17 crossroads
17. Jun. - 11. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 301

Jürgen Raap
Thomas F. Fischer
»d’javu 17 crossroads«
Neues Kunstforum Köln, 17.6. – 11.7.2010
Kreuz und quer erstrecken sich sieben Bahnen aus ausgerollter grauer Dachpappe über den Boden des Foyers im Atelierhaus in der Kölner Südstadt. Sie sind mit roten und blauen Klebestreifen befestigt, damit sie rutschfest liegen bleiben. Doch gleichzeitig hat das bunte Klebeband nicht nur diese rein praktische Funktion: die rhythmische Aufreihung der Klebestreifen im Raum verdichtet sich nämlich zu einem zeichenhaften, ja fast schon ornamentalen Muster. Fast immer beschränkt sich bei Thomas F. Fischer das materielle Repertoire auf solcherlei banale, unscheinbare Dinge und auf lakonische inszenatorische Kniffe, mit denen er in seinen Installationen verblüffende optische Wirkungen erzielt.
„Crossroads“ lautet der Untertitel zu dieser […] weiterlesen
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TURM DER LUTHERKIRCHE
Irene Vigener
12. Jun. - 04. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 299

Sabine Elsa Müller
Irene Vigener
Turm der Lutherkirche 12.6. – 4.7.2010
Auftritte der Bildhauerin Irene Vigener (geb. 1951) sind eher rar. Das ist schade, aber unausweichlich, denn jede Ausstellung verlangt eine sehr lange Vorbereitungszeit. Zeit ist überhaupt eines der wichtigsten Elemente dieser Kunst. Dies betrifft gleichermaßen die langwierige und betont handwerkliche Bearbeitung des Ausgangsmaterials wie die präzise Einbindung der Arbeit in den Raum. In der Regel arbeitet Vigener mit Gips, einem Werkstoff, der ihr sowohl als alltäglicher Baustoff als auch durch seinen Bezug zur klassischen Bildhauerei nahe steht. Gegossen in schlichte geometrische Formen entstehen Module, die an Steinplatten oder Fußbodenplanken erinnern und sich je nach weiterer Bearbeitung und Positionierung in die architektonische […] weiterlesen
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KÖLNISCHER KUNSTVEREIN
Alexandra Bircken. Blondie
22. Apr. - 06. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 298

Magdalena Kröner
Alexandra Bircken
»Blondie«
Kölnischer Kunstverein, 22.4. – 6.6.2010
Baumrinde, Nadeln, Sand, Haare, Strumpfhosen, Münzen, Draht, Äste: im besten Sinne scheinen Alexandra Birckens Skulpturen aus Müll zu bestehen, aus Dingen, die wie angeschwemmt wirken, und nicht wie sorgfältig in bildhauerischer Absicht ausgesucht und zueinandergefügt. Doch sollte der Zufälligkeit ausstrahlende Charakter der wie weggeworfen und wiedergefunden wirkenden Materialien nicht über den schlüssigen skulpturalen Ansatz hinwegtäuschen, den die 1967 geborene Kölner Künstlerin in der kurzen Zeit ihrer künstlerischen Laufbahn entwickelt hat.
Schon in ihrer ersten Einzelschau bei „BQ“ in Köln im Jahr 2004 wurde ihr originärer Ansatz deutlich, der das scheinbar Rudimentäre konsequent ins Werk setzt, oder eher: einwebt, verknotet, alles mit allem […] weiterlesen
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MUSEUM LUDWIG
Jochen Lempert
23. Apr. - 13. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 296

Alexander Braun
Jochen Lempert
Museum Ludwig, Köln, 23.4. – 13.6.2010
Ausstellungen mit Fotografien von Jochen Lempert (geb. 1958) zu besuchen, ist wie wenn wir als Zeitgenossen von Walt Whitman eines seiner Bände von »Leaves of Grass« durchblättern könnten. Der amerikanische Dichter schrieb sein literarisches Werk zu Mitte des 19. Jahrhunderts nicht fort, in dem er immer neue Gedichtbände veröffentlichte, sondern indem er das EINE Werk mit jeder neuen Auflage modifizierte, Passagen ersetzte und neue hinzufügte. So auch Jochen Lempert: als würden wir dem Künstler über die Jahre bei seiner fortwährenden (Re-)Konstruktion der Welt über die Schulter schauen – eine Welt, die sich jedes Mal anders konstituiert, indem sie mit neuen Kapiteln […] weiterlesen
Bochum
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SITUATION KUNST
Weltsichten. Weltsichten. Landschaft in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert
08. Mai. - 21. Nov. 2010
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Band 203, 2010, S. 293

Claudia Posca
Weltsichten
»Landschaft in der Kunst des 17. Jahrhunderts«
Stiftung Situation Kunst, KUBUS, Bochum, 8.5. – 21.11.2010
Während im Kulturhauptstadtjahr 2010 die Revier-Metropole Essen ob ihres neuen Folkwang-Museums vor Glück strahlt, funkelt „tief im Westen“ ein weiteres Highlight feinster Kunst-Natur-Architektur-Landschaft. Bochum hat es, mitten im Schlosspark Weitmar liegt es, südlich vom an Rhein und Ruhr allseits berühmt-„berüchtigten“ Bermuda-Dreieck in der City und ist mit seinem hochkarätigen Außen-Skulpturenpark sowie den rundum reizvollen Themen-Pavillons als „Situation Kunst (für Max Imdahl)“ inzwischen nicht nur Insidern ein Geheimtipp für leuchtende Augen.
Eben dieses an und für sich schon großartige Juwel interkultureller Seh-, Sicht- und Wahr-Nehmungsvergleichung ist erneut expandiert. Zum 1988/89 eröffneten ersten Part und dem 2006 dazugekommenen Part II gesellt sich heuer der […] weiterlesen
Düsseldorf
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KAI 10
The Fate of Irony
24. Apr. - 24. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 290

Renate Puvogel
The Fate of Irony
KAI 10 / Raum für Kunst 24.4. – 24.7.2010
Sie verlassen die ironiefreie Zone” – dieser Hinweis samt kleiner gedruckten Erklärungen steht in vier Sprachen schwarz auf weiß auf einem freistehenden Plakat. Die Holztafel, von Peter Jap Lim in der Manier der Warnschilder am Übergang von der BRD in die ehemalige DDR gefertigt, ist nun ausgerechnet dort aufgestellt, wo man den ironiegeladenen Ausstellungsbereich in Richtung normale Büros verlässt. Dadurch konterkariert das Plakat das Thema der Ausstellung und erhält gerade deshalb seinen Sinn, basiert der Ironiebegriff doch auf derlei methodischen Widersprüchen. Der Begriff ist darüber hinaus im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich ausgelegt worden. Aber ein wesentliches Kriterium, das sich durch […] weiterlesen
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KUNSTHALLE DÜSSELDORF
Hans-Peter Feldmann. Kunstausstellung
19. Jun. - 22. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 288

Annelie Pohlen
Hans-Peter Feldmann
»Kunstausstellung«
Kunsthalle Düsseldorf, 19.6. – 22.8.2010
Zugegeben, es ist längst guter Brauch, dass Kunstinstitute ohne eigene Sammlung ihre Räume jenen zur Verfügung stellt, die eine solche besitzen und diese auch öffentlich zu machen wünschen. Nur würde man sich wohl scheuen, einen Kaufmann einzuladen, der anmerkt, dass in der Badewanne jeder Mensch ein Künstler ist. Richtig ist, dass es jedem noch so unbegabten Sänger freisteht, dort seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, solange er nicht erwartet, dass dies in der Öffentlichkeit goutiert werden muss. Nun überführt ein Kaufmann, der erklärtermaßen nicht Künstler genannt werden will, sein Angebot in ein solches Institut und nennt diese Auslage so, wie man […] weiterlesen
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NRW-FORUM KULTUR UND WIRTSCHAFT
Julian Schnabel. Polaroids
30. Mai. - 11. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 284

Heinz-Norbert Jocks
Julian Schnabel
»Polaroids«
NRW-Forum, Düsseldorf, 30.5.-11.7.2010
Seine großformatigen Polaroids wirken, als platzten sie aus einer anderen Zeit mitten in die unsrige. Dabei sind sie jetzt und heute entstanden, folglich zeitgenössisch, dabei von poetischer Stille. Angesichts seiner eigentümlichen Art und Weise, die Welt durch das Auge der Kamera wahrzunehmen, das Gefühl, hier rebelliert jemand gegen den ewigen Aktualitäts- und Neuheitswahn. Es geht Julian Schnabel offensichtlich nicht darum, dass etwas möglichst jung und frisch wirkt, so als wäre es noch nie da oder in der Welt gewesen. Im Gegenteil haftet dem, was er zur Erscheinung bringt, die Aura der letztlich unwiederbringlichen Vergangenheit an. Es handelt sich um den […] weiterlesen
Bremen
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NEUES MUSEUM WESERBURG
Frank Gerritz. Invitationals/Auctions
11. Apr. - 30. Mai. 2010
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Band 203, 2010, S. 282

Michael Stoeber
Frank Gerritz
»Invitationals/Auctions«
Weserburg, Museum für moderne Kunst, Bremen, 11.4. – 30.5.2010
Frank Gerritz ist ein Meister darin, Gegensätzliches und Disparates in seiner Kunst zusammen zu führen und zu harmonisieren. Souverän bildet er paradoxe Paare, die bestens miteinander klar kommen. Gerritz ist ein Zeichner und Maler, der sich als Bildhauer versteht. Aus Myriaden von Strichen formt er große und großartige Werke. Er behandelt Flächen und schafft dabei Körper und Räume. Er arbeitet abstrakt und erzählt Geschichten. Die Quadrate und Rechtecke seiner Werke sind nicht nur geometrische, sondern auch affektive Konstruktionen. Sie erfassen die Welt in kartesianischer und emotionaler Weise. Gerritz ist stets in den Maßen seiner Bilder vorhanden. Sein Kopf, Schultern, Arme, Beine […] weiterlesen
Oldenburg
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EDITH RUß HAUS
My War. Partizipation in Kriegszeiten
10. Jun. - 29. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 281

Rainer Unruh
My War
»Partizipation in Kriegszeiten«
Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Oldenburg, 10.6. – 29.8.2010
Moderne Kriege verwüsten nicht nur Städte und Länder. Sie toben auch in den Medien. Es sind Kämpfe um die Deutungshoheit, und die finden in der Ära des „sekundären Analphabetismus“ (Enzensberger) eher auf dem Feld emotional aufgeladener Bilder statt als auf dem Terrain diskursiver Rationalität. „My War“, ein gemeinsames Projekt von Fact (Liverpool), Tesla (Berlin) und dem Edith-Ruß-Haus für Medienkunst (Oldenburg), knüpft an diesen Befund an.
Der Titel der Ausstellung weckt sowohl Assoziationen an „My Space“, einen der erfolgreichsten virtuellen Plätze im Mitmach-Web 2.0, als auch an die subjektive Perspektive auf das Kriegsgeschehen. Dabei zeigt sich, dass die beste Waffe gegen die Manipulation […] weiterlesen
Flensburg
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MUSEUMSBERG FLENSBURG
Punkte in Flensburg
06. Jun. - 29. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 279

Jens Rönnau
Punkte in Flensburg
»Stunde«
Museumsberg Flensburg, 6.6. – 29.8.2010
Seit 1974 sammelt das Kraftfahrtbundesamt die Punkte der Verkehrssünder – und hat der nördlichsten Stadt Deutschlands damit überregionalen Bekanntheitsgrad beschert. Eine launige Idee macht jetzt in ganz anderer Hinsicht auf die Fördestadt neugierig: Die „Punkte“ des dortigen Verkehrszentralregisters haben die Frage aufgeworfen, wie es eigentlich um die Punkte in der Kunst bestellt ist. Der neue Chef am Museumsberg, Michael Fuhr, hat eine interdisziplinäre Schau zusammengestellt. Denn schon seit 1879 sammelt das Flensburger Museum auf seine Weise Punkte, frohlockt Fuhr, der aus Frankfurt stammt und am Leopold-Museum in Wien tätig war. Kaum ein Dreivierteljahr im Amt, hat er neben zahlreichen Leihgebern auch […] weiterlesen
Schleswig
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LANDESMUSEUM SCHLOSS GOTTORF
Verwehte Orte
27. Jun. - 12. Sep. 2010
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Band 203, 2010, S. 278

Jens Rönnau
Verwehte Orte
»Ein Parcours de Paradies«
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, 27.6. – 12.9.2010
So sehr die Wiesen und Rapsfelder, Meeresblicke und Strände, die als typisch für die schleswig-holsteinische Landschaftsmalerei gelten, ihre Berechtigung haben mögen, so sehr hat die heutige Zeit auch Anspruch auf neue Ansichten, Bildmotive und -aufgaben“, schreibt Uta Kuhl im Katalog zur Schleswiger Ausstellung „Verwehte Orte“, die den Zusatztitel „Ein Parcours de Paradies“ trägt. Die Schau im ehrwürdigen Schloss Gottorf mit Werken von 10 jungen Künstlerinnen und Künstlern dringt in mehrfachem Sinne ein in dieses Idyll der einstigen Residenz dänischer Herrscher, das am Ende des Ostseefjordes Schlei von Wassergräben und Gartenanlagen umgeben ist: Zum einen sind die Werke dialogisch in die vorhandene […] weiterlesen
Hamburg
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SAMMLUNG FALCKENBERG - KULTURSTIFTUNG PHOENIX ART
Andreas Schulze: Interieur
08. Mai. - 27. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 275

Hans-Jürgen Hafner
Andreas Schulze: Interieur
»Erbsen auf Niere«
Sammlung Falckenberg, Hamburg, 8.5. – 27.6.2010
Ausgerechnet „Interieur“ muss Andreas Schulze seine Schau in den Ausstellungsräumen der Sammlung Falckenberg und damit eine geradezu programmatisch zu lesende Richtung vorgeben.
Denn Schulzes Kunst, seine großformatigen Malereien, gelegentlichen Skulpturen und Wandbilder, die funktional/dekorativen installativen Settings, zu denen er Bilder, selbst entworfenes Mobiliar, Lampen und Teppiche zusammenschließt, dieses Repertoire mit seiner offenbaren Tendenz zum bürgerlichen Gesamtkunstwerk aus dem Geiste eines mindestens ebenso in sich versponnenen wie exzentrisch-exaltierten Raumausstatters heraus, kreist seit Jahr und Tag in Form und Inhalt merkwürdig um sich selbst. Ein fast solipsistisches Projekt hat Schulze am Laufen, das sich seit den frühen 1980er Jahren in Zielsetzung bzw. Ausführung nicht […] weiterlesen
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DEICHTORHALLEN
Nobuyoshi Araki. Silent Wishes
18. Jun. - 29. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 274

Rainer Unruh
Nobuyoshi Araki
»Silent Wishes«
Deichtorhallen Hamburg, 18.6. – 29.8.2010
Kaum zu glauben, dass noch 1992 eine Ausstellung Arakis in der Egg Galerie in Tokio geschlossen und gegen den Fotografen eine Anklage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses erhoben wurde. Heute ist der Siebzigjährige längst ein Klassiker, und die in Zusammenarbeit mit dem Museum der Moderne Salzburg konzipierte Schau in den Hamburger Deichtorhallen dürfte den Ruhm des japanischen Fotokünstlers weiter mehren. Sie rückt nämlich einen Teil seines Werks in den Vordergrund, der bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit gefunden hat. Zwar gibt es auch Bilder von nackten, kunstvoll verschnürten Frauen zu sehen, fast so etwas wie ein Markenzeichen Arakis, aber sie sind in ein Kabinett […] weiterlesen
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HAMBURGER KUNSTHALLE
David Tremlett. Drawing Rooms
24. Jun. - 31. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 271

Doris von Drathen
David Tremlett
»Drawing Rooms«
Wandzeichnungen für die Galerie der Gegenwart
Hamburger Kunsthalle, 24.6. – 31.10.2010
Allein möchte der Besucher in diesen Räumen stehen. Denn von ihnen geht eine Stille aus, auf die Stille antworten will. Tatsächlich könnte man das Wort Drawing Rooms auch so verstehen: Als Räume des Rückzugs, des „withdrawing“, möglicherweise als „Denkräume der Besonnenheit“, wie Aby Warburg gesagt hätte. David Tremlett spricht nie von Wandmalerei. Eher versteht er sich als Bildhauer. Oder auch als Baumeister. Denn er baut Balken, Fensterkreuze, Wandausschnitte, Grundrisse – mit Pigment. Und während er mit dem Daumenballen die Pastellfarben auf die Haut des vorgegebenen Raum-Körpers reibt, kann es vorkommen, daß ihn der Enthusiasmus davonträgt, und er manches Mal von […] weiterlesen
Berlin
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GALERIE EIGEN + ART
Ricarda Roggan. natura nova
08. Mai. - 26. Jun. 2010
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Band 203, 2010, S. 269

Ronald Berg
Ricarda Roggan
»natura nova« – Neue fotografische Arbeiten
Galerie Eigen + Art Berlin, 8.5. – 26.6.2010
Im Unterschied zur Malerei stellt sich bei Fotografien für den Betrachter gleichsam von selbst der Wunsch ein, zu wissen was, wo und wann fotografiert wurde. Denn wir wissen eben, daß das, was auf dem Foto zu sehen ist, sich einst wirklich vor dem Objektiv befunden haben muß. Das gilt nun um so stärker, für die analoge Fotografie, die weit schwieriger zu manipulieren ist als die digitalen Bilder, bei denen der Übergang zwischen Abbild und Bildkonstruktion unsichtbar bleibt. Im Grunde sind digitale Aufnahmen ja auch keine Bilder, sondern numerische Codes, denen man ein ikonisches Interface verpaßt hat.
Ricarda Roggan fotografiert nach wie vor […] weiterlesen
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KÜNSTLERHAUS BETHANIEN
All my lovin. Präsentationen von Tine Oksbjerg, Robert Quint und Patrick Bernatchez
12. Jun. - 04. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 266

Peter Funken
Relaunch
»Die Fotoausstellung »All my lovin«, sowie Präsentationen von Tine Oksbjerg, Robert Quint und Patrick Bernatchez«
Künstlerhauses Bethanien, Berlin, 12.6. – 4.7.2010
Dreieinhalb Jahrzehnte lang befand sich das Künstlerhaus Bethanien im ehemaligen Diakonissen-Hospital, einem altehrwürdigen Gebäude am Mariannenplatz in Kreuzberg. Dort gab es 20 Ateliers für Stipendiaten, kleinere Ausstellungsflächen, einen großen Showroom in der Krankenhauskappelle und in den letzten Jahren immer wieder jede Menge Ärger mit Hausbesetzern. Christoph Tannert, Leiter des Künstlerhauses, ist allein wegen der nervenden Hausbesetzer froh über den Umzug in ein modern renoviertes Gewerbegebäude, das der Berggruen Holding gehört. Am neuen Ort unweit des Kottbusser Tores stehen dem Künstlerhaus nun 4300 qm zur Verfügung für 25 Studios, Verwaltung, Bibliothek und großzügige Ausstellungsflächen. Investor Nicolas Berggruen schwebt vor, aus dem […] weiterlesen
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HAUS DER KULTUREN DER WELT
Dan Mihaltianu. Plaques tournantes.
30. Mai. - 25. Jul. 2010
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Band 203, 2010, S. 265

Claudia Wahjudi
Dan Mihaltianu
»Plaques tournantes«
Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 30.5. – 25.7.2010
Erneut ist die Berliner Ausstellungslandschaft in Bewegung gekommen. Angeregt von der Debatte um eine ständige Kunsthalle sowie neuem Personal in Leitung und Teams haben öffentliche Institutionen von Georg-Kolbe-Museum bis Nationalgalerie begonnen, mehr Arbeiten Berliner Künstler und Künstlerinnen zu zeigen. Jüngst ist das Haus der Kulturen der Welt (HKW) dazugestoßen. Ende Mai eröffnete es in seiner Studiogalerie die neue Ausstellungsfolge «Labor Berlin». Sie ist ausdrücklich internationalen Künstlern aus Berlin gewidmet, deren Arbeiten in der Stadt bisher kaum zu sehen waren. Valerie Smith, Leiterin des Bereichs Kunst, Film und Medien am HKW, und die Kuratorin Daniela Wolf gestalten mit sechs Ausstellungen pro Jahr […] weiterlesen
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HAMBURGER BAHNHOF - MUSEUM FÜR GEGENWART
Bruce Nauman. Dream Passage
28. Mai. - 10. Okt. 2010
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Band 203, 2010, S. 262

Hans-Jürgen Hafner
Bruce Nauman
»Dream Passage«
Hamburger Bahnhof, 28.5. – 10.10.2010
Warum ist diese Schau eigentlich nicht besser? Immerhin ist Bruce Nauman seit Jahren kaum wegzudenken aus den notorischen Artist Rankings und ewigen Bestenlisten. Und mindestens ebenso lange und ganz egal, ob von Kuratoren, Künstlern oder Kritikern hören wir, dass er der wichtigste Künstler der Gegenwart wäre. Das haben wir so häufig und so überzeugt gehört, dass wir uns unweigerlich fragen, warum Naumans derzeitige Schau im Hamburger Bahnhof unter dem schönen Titel „Dream Passage“ nicht besser, spezifischer, vielleicht aber auch nur überzeugender ausgefallen ist. Wo und wie wir bei allem statistisch überwältigenden Aufgebot zentraler Arbeiten aus dem weit gespannten Werk des Künstlers […] weiterlesen
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SAMMLUNG SCHARF-GERSTENBERG
Double Sexus. Hans Bellmer – Louise Bourgeois
24. Apr. - 15. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 259

Peter Funken
Double Sexus
»Hans Bellmer – Louise Bourgeois«
Sammlung Scharf-Gerstenberg / Staatliche Museen zu Berlin, 24.4. – 15.8.2010
Bei dieser Ausstellung treffen zwei Künstlerpersönlichkeiten aufeinander, die sich nie begegnet sind, die aber – und das beweist „Double Sexus“ eindrücklich – in ihrer Wahrnehmung und in ihrem Werk bemerkenswerte Parallelen und Gemeinsamkeiten besaßen. Die Ausstellung in der Sammlung Scharf-Gerstenberg zeigt rund 70 skulpturale, zeichnerische und fotografische Arbeiten, sie entstand in Kooperation mit dem Gemeentemuseum Den Haag/NL und wird ab Herbst diesen Jahres dort zu sehen sein.
Der Surrealist Hans Bellmer lebte von 1902 bis 1975, zuerst in Berlin und später vor allem in Paris, wo er auch starb. In Berlin-Karlshorst schuf er 1934 seine erste Puppe – ein Konstrukt gefertigt aus […] weiterlesen
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MARTIN-GROPIUS-BAU
Olafur Eliasson. Innen Stadt Außen
28. Apr. - 09. Aug. 2010
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Band 203, 2010, S. 256

Ingo Arend
Olafur Eliasson
»Innen Stadt Außen«
Martin Gropius-Bau, Berlin, 28.4. – 9.8.2010
Weather Project. Wenn Besucher von der legendären Ausstellung in der Londoner Tate Gallery berichten, kommen ihre Augen noch immer ins Leuchten. Vor knapp sieben Jahren hatte der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson eine riesige Sonne in eine alte Turbinenhalle des britischen Kunsttempels hängen lassen. Über den Boden waberte Nebel. Tagelang lagen die Besucher verzückt im Bann des glühenden Gestirns. Über zwei Millionen Menschen sahen zur Jahreswende 2003/2004 das Spektakel: die größte Einzelausstellung eines lebenden Künstlers, die es jemals gab.
Überwältigungsästhetik ist ein Etikett, das seitdem hartnäckig an Eliassons Kunst klebt. Nichts wäre falscher als das. Denn was in London zu sehen war: die […] weiterlesen



