Zum Tod von Christoph Schlingensief
Christoph Schlingensief, Aktionskünstler und Regisseur, starb am 21. August 2010 im Alter von 49 Jahren an Lungenkrebs. Politiker und Prominente würdigten ihn in ihren Nachrufen als „Wachrüttler", einen „der Großen in seinem Milieu" und als „großen Filmemacher und politischen Künstler". Aufsehen erregte Schlingensief 1997 auf der Kasseler documenta, als er dort wegen eines Plakats mit der Aufschrift „Tötet Helmut Kohl" vorübergehend festgenommen wurde.
Seinen Ruf als Provokateur hatte er sich schon vorher mit dem Film „Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990) erworben, in welchem er den Fall der Berliner Mauer als nationales Schlachtfeld schildert. Sein letztes größeres Projekt ist die Gründung eines „Festspielhauses Afrika" in Burkina Faso. Als Beitrag zur Ruhrtriennale 2008 hatte Schlingensief eine alte Gebläsehalle in eine „Kirche der Angst" verwandelt. Sie glich äusserlich der Oberhausener Herz-Jesu-Kirche, in der Schlingensief als Kind Messdiener war.
Als Rahmen für ein „Fluxus-Oratorium" ermöglichte die „Kirche der Angst" nun auch eine Reflexion der Ängste, die solch eine lebensbedrohende Krebserkrankung auslöst. Christoph Schlingensief in einem Interview mit „Die Welt": „Im Kern geht es, das merkte ich während meiner Krankheit, um die Autonomie meiner Person - wie die eines jeden Menschen. Wehe, wenn man die verliert, in seiner Krankheit oder im Leben."
100jähriger Geburtstag
Ihren 100. Geburtstag feierte soeben die amerikanische Malerin und Dichterin Dorothea Tanning. Eine Surrealismus-Ausstellung im Jahre 1936 prägte fortan ihr künstlerisches Selbstverständnis, bis sie sich Ende der 1950er Jahre einem „prismatischen" Stil zuwandte. 1946 heiratete sie den in die USA emigrierten Maler Max Ernst, mit dem sie zunächst in Sedona/Arizona lebte. In den 1950er Jahren siedelte das Künstlerpaar nach Frankreich über. Heute wohnt Dorothea Tanning in New York. 1959 hatte die Malerin an der Kasseler documenta teilgenommen. Ausstellungen zu ihrem 100. Geburtstag richten derzeit die Max-Ernst-Museen in Brühl (Rheinland) und Seillans (Provence) aus.
Neuer Kultursenator
Als Nachfolger der zurückgetretenen Karin von Welck ist Reinhard Stuth (CDU) neuer Kultursenator in Hamburg. Die Ernennung entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, war er doch als Staatsrat der Kulturbehörde 2009 in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Zahlreiche Mitarbeiter hatten sich beim Personalrat über seine häufige Abwesenheit und seinen ruppigen Umgangston beschwert. Insider spekulieren, dass für die Entscheidung des neuen Ersten Bürgermeisters Christoph Ahlhaus für Stuth möglicherweise dessen Parteizugehörigkeit vorrangiges Kriterium war.
Langen Foundation
Christiane Maria Schneider übernahm am 1. September 2010 die künstlerische Leitung der Langen Foundation in Neuss. Die Stiftung unterhält dort seit 2004 ein Ausstellungshaus, das der Architekt Tadao Ando entwarf. Dort werden Wechselausstellungen aus der Sammlung Marianne und Viktor Langen gezeigt. Die Schwerpunkte der Sammlung liegen auf der traditionellen japanischen Kunst und moderner Kunst westlicher Prägung.
Saisonauftakt
40 Mitglieder umfasst die IG Galerien in Frankfurt. Zum Beginn der Herbstsaison führen die Mitglieder am 1. Septemberwochenende gemeinsame Vernissagen mit Führungen in den einzelnen Stadtteilen durch. Wie ihre rheinischen Kollegen in Köln und Düsseldorf, so haben auch die Frankfurter Kunsthändler seit Jahren gegen den „Hauptstadtsog" anzukämpfen, den die quirlige Szene in Berlin ausübt.
Seit die Frankfurter Messegesellschaft die notorisch defizitäre Art Frankfurt abgeschafft hat und sich am Main keine Nachfolgemesse dauerhaft etablieren konnte, befindet die Bankenmetropole als Kunststandort in der Defensive. Das gemeinsame Galerien-Wochenende ist daher auch als eine imagepolitische Maßnahme zu verstehen, die nicht nur Publikum anziehen, sondern auch das Profil Frankfurts als Kunststadt schärfen soll.
Von Köln nach Düsseldorf
Linn Lühn wird ihre Galerie 2011 von Köln nach Düsseldorf verlegen. Die derzeitige Sprecherin der Kölner Galerien will sich mit diesem Schritt auf die Düsseldorfer Sammler zu bewegen, die sich ihrer Ansicht nach immer noch schwer tun, nach Köln zu reisen.
35jähriges Jubiläum
Die Bielefelder Galerie Samuelis Baumgarte besteht seit 35 Jahren. Ruth Baumgarte gründete die Galerie 1975. Heutiger Inhaber ist Alexander Baumgarte. Das Programm reicht von Klassischer Moderne bis zu medienübergreifenden aktuellen Tendenzen der jüngeren Kunst.
Sammlung Fishman
Das Münchener Auktionshaus Karl & Faber versteigert am 28. Oktober 2010 einen Teil der Sammlung des verstorbenen Sammlerehepaares Janet und Marvin Fishman aus Milwaukee. Zu den Sammlungsschwerpunkten zählen viele deutsche Künstler der 1920er und 1930er Jahre wie Jeanne Mammen, Richard Ziegler und Felix Nussbaum oder der Belgier Frans Masereel. Viele dieser Maler der Berliner Novembergruppe wie Ziegler oder der Neuen Sachlichkeit wie Mammen sind später durch die Unterdrückungspolitik der Nazis in Vergessenheit geraten.
Leipziger Schule
Fritz P. Mayer, Frankfurter Kunstsammler, eröffnet im Herbst 2010 im ehemaligen Leipziger Wohn- und Atelierhaus des Malers Werner Tübke eine Galerie mit Werken der „Leipziger Schule". Die Eröffnungsausstellung umfasst 25 großformatige Bilder. Die Wechselausstellungen sollen alle sechs Monate ausgetaucht werden. Im Erdgeschoss des Gebäudes betreibt Karl Schwind eine Galerie.
Kunsthalle Bremen
Das Richtfest für den Rohbau fand im Juni 2010 statt: In gut einem Dreivierteljahr soll der Erweiterungsbau für die Kunsthalle Bremen im Frühjahr 2011 bezugsfertig sein. Um weiterhin große Ausstellungen zur Klassischen Moderne zeigen zu können und gleichzeitig genügend Raum für die wachsende Sammlung und für die Abteilung Museumspädagogik zu haben, die sich großer Nachfrage erfreut, erwies sich der 30 Mill. Euro teure Anbau als dringend notwendig.
Seit dem Jahre 1900 ist die Ausstellungsfläche in der Kunsthalle nämlich gleich geblieben, obwohl in den vergangenen 110 viele bedeutende Ankäufe, Leihgaben und Schenkungen hinzu kamen. In den Kosten sind auch Modernisierungsmaßnahmen für den Altbau enthalten. Bis zur Wiedereröffnung sind große Teile der Sammlung an 22 andere Museen ausgeliehen.
Kunstsammlung NRW
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat mit der Wiedereröffnung ihres „K 20"-Gebäudes am Grabbeplatz mit Kunst des 20. Jh. einen Bus-Shuttle-Service eingerichtet. Er verbindet „K 20" mit der Sammlung von Gegenwartskunst „K 21" im Ständehaus. Als drittes Gebäude wird das „Schmela-Haus" bespielt. Dort findet in diesem Herbst eine Joseph Beuys-Ausstellung „Parallelprozesse" statt (11.9. 2010 - 16. 1. 2011). Die Beuys-Werkschau ist das Herzstück der „Quadriennale", zu der sich alle Düsseldorfer Museen vernetzt haben.
MLD 25
Seit 25 Jahren arbeiten die Brüder Maik und Dirk Löbbert zusammen. Das H 2 -Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast, Kunstsammlungen und Museen Augsburg, zeigt aus diesem Anlass eine groß angelegte Schau des Künstler-Duos. (10.9.2010-27.2.2011).
Retrospektive
Anna und Bernhard Johannes Blume, Kölner Fotokünstler, beenden am 29. August 2010 eine umfangreiche Retrospektive mit ihren Polaroid-Collagen aus dem Zeitraum 1975 bis 1999 im Pariser Maison Européene de la Photographie.
Bauhaus-Ausstellung
Zu den Höhepunkten des Programms der diesjährigen europäischen Kulturhaupstadt Pécs (Ungarn) zählt eine umfangreiche Ausstellung „Von der Kunst zum Leben - Ungarn im Bauhaus". Bis zum 24. Oktober 2010 werden die bislang in der Kunstöffentlichkeit oft nur wenig bekannten Beiträge ungarischer Künstler zur Bauhaus-Bewegung vorgestellt.
Dali-Plastik gestohlen
Aus einer Salvador Dali-Ausstellung im Belfried von Brügge wurde eine 50 cm hohe und 10 kg schwere Bronzeplastik geraubt. Der Wert der Skulptur wird auf 100.000 Euro geschätzt. Wie die belgische Zeitung „De Standard" berichtet, erhofft sich die Polizei durch die Auswertung der Überwachungskameras einen Ermittlungsansatz.
Van Gogh-Bild gestohlen
Aus dem Mohammed-Mahmut-Chalil-Museum in Kairo sind van Goghs „Mohnblumen" gestohlen worden. Der Wert des Gemäldes beträgt 39 Mill. Euro. Das Bild war 1978 schon einmal entwendet worden und später in Kuwait aufgetaucht. Wegen „Verletzung der Dienstpflicht" sind fünf Beamte des ägyptischen Kulturministeriums verhaftet worden.
Skulpturenpark Waldfrieden
Der Bildhauer Tony Cragg gründete in Wuppertal eine Stiftung, die auf dem Gelände der Villa Waldfrieden einen Skulpturenpark unterhält. Die Villa gehörte früher dem Lackfabrikanten Kurt Herberts, der hier Künstlern wie Oskar Schlemmer und Willi Baumeister Schutz bot, als die von den Nazis verfemt wurden. Die aktuelle Ausstellung im Skulpturenpark besteht aus Arbeiten aus dem Spätwerk von Jean Tinguely und zwei Exponaten aus Tinguely Werkreihe „Philosophen" (3.9.- 12.12. 2010).
Wien Museum
Nach heftigen, unwetterartigen Regenfällen im August 2010 musste das Wien Museum am Wiener Karlsplatz wegen eines Wasserschadens vorübergehend geschlossen werden. Die ausgestellten Kunstwerke blieben unbeschädigt.
Wiedereröffnung
Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ist das Islamische Museum Kairo wieder öffentlich zugänglich. Mit 100.000 Exponaten zählt es zu den größten und wichtigsten Museen über die islamische Kultur.
Gedenktafel
In der Berliner Wundtstraße ist eine Gedenktafel für die Zeitschrift „Die Weltbühne" eingeweiht worden, die dort von 1921 bis 1926 ihren Redaktionssitz hatte. Zu den Autoren gehörten u.a. Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Lion Feuchtwanger, Else Lasker-Schüler und Carl Zuckmayr.
Lamspringer September
Die Lamspringer Septembergesellschaft und das Bad Gandersheimer Wirtschaftsforum haben zwischen diesen beiden Orten seit 1998 einen Skulpturenweg angelegt. Vorbild für dieses Projekt, das entlang einer stillgelegten Bahntrasse verläuft, ist die Vision des Malers und Bildhauers Otto Freundlich, dem bereits in den 1930er Jahren eine Skulpturenstraße von Paris bis nach Moskau vorschwebte. Freundlichs Idee blieb indes reine Utopie: solch eine völkerverbindende Kunst-Straße war für jene Epoche massiver politischer Spannungen in Europa völlig unrealistisch.
Otto Freundlich selbst schlug sich damals als jüdischer Exilant im Pariser Exil auch nur mit Not und Mühe durch: zu seinem 60. Geburtstag 1938 verfassten Max Ernst und andere deutsche Künstler-Emigranten einen Spendenaufruf, der dem am Rande des Existenzminimums lebenden Freundlich etwas Geld zum Kauf von Farben einbringen sollte. Von Freundlichs Skulpturenstraßenprojekt wurde bislang nur eine Minimalversion umgesetzt, nämlich mit 13 Skulpturen auf einer Strecke von zwölf km zwischen Lamspringe und Bad Gandersheim.
Jedes Jahr findet der „Lamspringer September" mit Kunst- und Musikveranstaltungen, Theater, Lesungen, Kabarett etc. statt. Für den Bereich der bildenden Kunst ist in diesem Jahr der Bildhauer Karl Günter Wolf zu einer Ausstellung mit seinen Metallskulpturen und Meditations-Rollbildern eingeladen.
Fiebergärten
Bis zum 26. September 2010 präsentiert der Kunstverein und Stiftung Springhornhof in Neuenkirchen bei Soltau Ulu Brauns Projekt „Fiebergärten". Braun montiert Filmsequenzen und Bildmotive aus unterschiedlichen Quellen zu faszinierenden Landschaftspanoramen. Für die Ausstellung im Springhornhof hat Ulu Braun eigens eine Videoarbeit geschaffen, das die fiktive Bevölkerung einer idyllischen Küstenregion porträtiert.
Dokumentation Futurismus
Vom Juni 2009 bis Januar 2010 fand in Köln, Bonn und Düsseldorf eine Veranstaltungsreihe zum Thema „100 Jahre Futurismus" statt. Auf einer Tagung diskutierten deutsche und italienische Fachreferenten aus der Kunst-, Literatur- und Filmwissenschaft, Semiotik und Musik über „Zukunftsmusik oder Schnee von gestern ? - Interdisziplinarität, Internationalität und Aktualität des Futurismus". Dazu hat Donatella Chiancone-Schneider nun eine Dokumentation in Buchform sowie eine DVD publiziert.
Durchblicken
Die Insel Wilhelmstein mit ihrer Festungsanlage liegt im Steinhuder Meer, einem Binnensee bei Hannover. Seit nunmehr fünf Jahren führt dort der Kunstverein „Meerkunstraum e.V." seine Ausstellungsreihe „Durchblicke" durch. Eingeladene Künstler können in den Sommermonaten mit ihren Plastiken und Installationen fünf kleine Glasgewächshäuser bespielen. 2010 nehmen Inge-Rose-Lippok, Almut und Hans Beuste, Felix Pedersen, Wolfgang Buntrock und Frank Nordiek sowie Klaus Madlowski an dem Projekt teil.
Werkstatt für Veränderung
Vom 14. August bis zum 4. September 2010 gastiert Seraphina Lenz mit ihrer „Werkstatt für Veränderung" wieder im Carl-Weder-Park von Berlin-Neukölln. Seit 2002 hat die Künstlerin dort in jedem Sommer „performative künstlerische Interventionen" durchgeführt. In diesem Jahr schließt sie die Aktionsreihe ab mit einer dokumentarischen „Freiluftausstellung", die von einer „Retro-Parade und Jubiläumsfeuerwerk" begleitet wird, samt „Souvenir-Kaufladen, Objekten aus dem Fundus und Köstlichkeiten aus der Parkküche". Die Projektreihe wird in einem Buch dokumentiert, das 2011 erscheint.
Skulptur für Friedberg
2009 gewann Barbara Szüts den Skulpturenwettbewerb der Stadt Friedberg/Augsburg. Ein Jahr später hat sie nun ihre Arbeit auf dem örtlichen Bahnhofsplatz realisieren können. Ihre Skulpturen sind Übersetzungen von Linienzeichnungen ins Plastisch-Räumliche. Barbara Szütz: „Die Skulptur täuscht keine andere Räumlichkeit vor, als die schon in der Zeichnung vorhandene... Als ich das erste Mal den Platz sah, entschied ich mich sofort für einen Bewegungsablauf, der drei Bewegungen ineinander beschreibt. Es sind Bewegungen, die ineinander verschmelzen, in denen ein stetes Fluktuieren an Stelle statischer Beziehungen tritt - sozusagen flüssige Grenzen."
Quellen im Strom
Unter der Fahrbahn der Deutzer Rheinbrücke in Köln befindet sich ein düsterer, wenig anheimelnder Hohlraum, durch den man von Ufer zu Ufer gelangen kann. Normalerweise werden hier Materialien für den Hochwasserschutz gelagert. Gelegentlich kann diese Brückenhöhle auch für Kunstaktionen genutzt werden. Vom 26. 9. bis 3.10. 2010 bespielt die Kölner Gruppe „Kunst in Resonanz" den „Bauch" der Brücke mit Installationen und Klangdarbietungen zum Motto „Quellen im Strom".
Baptist Ohrtmann hat für seine Klanginstallation Töne aus dem „Lebensumfeld der Drücke" aufgenommen. Auch Ralf Peters arbeitet akustisch. Er fügt den Fluten des Rheins und dem Verkehrsstrom aktionistisch seinen „Stimmfluss" hinzu und sucht dabei „nach klanglichen Überlappungen". Eine Tanzperformance von Vera Sander und die Musik des Saxophonisten Lutz Streun reagieren ebenfalls auf die atmosphärischen Eigentümlichkeiten des Brückenhohlraums. Karin Meinel beteiligt sich mit einer Videoprojektion, und Petra Gerster lässt Papierobjekte über dem Wasser und durch den Raum schweben.
Denkmal für Edelweißpiraten
Im November 1944 ließ die Gestapo Zwangsarbeiter aus Polen und Russland sowie Mitglieder der jugendlichen Widerstandsgruppe „Edelweißpiraten" am Bahndamm von Köln-Ehrenfeld ohne Gerichtsurteil demonstrativ in aller Öffentlichkeit hinrichten. Die Edelweißpiraten waren aus der 1936 verbotenen „Bündischen Jugend" hervorgegangen und wollten sich nicht durch die Hitler-Jugend vereinnahmen lassen. Die Ursprünge dieser Jugendbewegung liegen in einer Wandervogel- und Lagerfeuerromantik, doch in den 1930er Jahren gerieten sie in eine Opposition zu den herrschenden politischen Verhältnissen.
Einige Edelweißpiraten-Gruppen, so jene in Köln, leisteten während der Kriegsjahre aktiven Widerstand gegen die Nazis. Viele Jugendliche wurden inhaftiert, gefoltert und ermordet. Den Überlebenden verweigerte man nach 1945 eine Anerkennung als Widerstandskämpfer und Wiedergutmachungszahlungen - die Beamten im Kölner Regierungspräsidium stützten sich stattdessen weiterhin auf die alten Gestapo-Akten, in denen die Edelweißpiraten kriminalisiert werden. Erst 2005 rehabilitierte der damalige Regierungspräsident und heutige OB Jürgen Roters (SPD) die Verfolgten.
Auch um den Text für eine Gedenktafel am Bahndamm gab es jahrzehntelangen Streit, denn die örtliche CDU stellte sich quer. 2003 wurde schließlich nach langem Gezerre ein Künstlerwettbewerb für die Neufassung der Gedenktafel durchgeführt, doch eine würdige Gedenkstätte entstand auch dann nicht: Das Ambiente an den Bahnbögen ist bis heute vernachlässigt; Schutt und Müll prägen die Optik. Jetzt hat eine lokale Initiative um den Liedermacher Rolly Brings junge Künstler beauftragt, die Nische neben der Gedenktafel mit einem großen Wandbild auszumalen. Es zeigt eine Horde uniform grau gewandeter im Gleichschritt marschierender Nazi-Soldaten, über denen - in Anspielung an das Liedgut der Edelweißpiraten - ein Segelschiff mit dem Edelweiß-Symbol schwebt.
Absolventenpreis
Shane Munro gewann den Absolventenpreis der Frankfurter Städelschule (2.000 Euro).
Albert-Stuwe-Preis
Matthias Beckmann wurde der Albert-Stuwe-Preis für Zeichnung überreicht.
Kunstpreis Sparkasse Halle
Yvonne Brückner gewann den Kunstpreis der Stiftung der Stadt- und Kreissparkasse Halle (2.500 Euro).
Kulturpreis Bayern
Franz Pröbster-Kunzel ist als bildender Künstler mit dem Kulturpreis Bayern bedacht worden (10.000 Euro). Sechs weitere Preise wurden an Künstler anderer Sparten vergeben.
Paderborner Kunstpreis
Artemis Herber erhielt den Paderborner Kunstpreis (7.500 Euro). Der Preis wird von der örtlichen Sparkasse und dem Kunstverein vergeben.
Schelling-Stiftung
Wang Shu/Lu Wenyu und Jean-Louis Cohen erhalten den Preis der Schelling Architekturstiftung (insgesamt 30.000 Euro).
Roswitha-Haftmann-Preis
Carl Andre ist für das Jahr 2011 zum Träger des schweizerischen Roswitha-Haftmann-Preises ausgewählt worden (rund 100.000 Euro). Die Verleihung erfolgt im Frühjahr 2011 im Kunsthaus Zürich. Die Choreografin und Zeichnerin Trisha Brown wird mit einem Sonderpreis geehrt.
Bayerisher Kunstförderpreis
Susu Gorth, Eva-Maria Raschpichler, Frank Stürmer, Christian Schnurer und Carlos de Abreu bekommen am 19. November 2010 den Bayerischen Kunstförderpreis überreicht (je 5.000 Euro).
Ramboux-Preis
Der Wettbewerb um den Ramboux-Preis ist geografisch auf den ehemaligen Regierungsbezirk Trier und altersmäßig für Künstler bis 40 Jahre begrenzt. Preis: 6.000 Euro für einen Ankauf und Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift Trier. Deadline: 1. Oktober 2010. Bewerbungsunterlagen bei: Stadtmuseum Simeonstift, Verwaltung, Simeonstr. 55, 54290 Trier. Tel. 0651-7181459, E-mail: baerbel.schulte@trier.de.
Förderung in München
Die Kulturstiftung der Stadtsparkasse München fördert Kunstprojekte, die in München stattfinden und vergibt außerdem den „Internationalen Kunstpreis" (25.000 Euro). Bewerbungsschluss ist der 5. November 2010. Infos und Förderanträge unter www.sskm.de/.
Studienstipendium
Bis zum 31. Dezember 2010 sind Bewerbungen um ein Stipendium für die Freien Akademie der Bildenden Künste fadbk Essen möglich. Das Stipendium umfasst die Studiengebühren für ein 6-semestriges Kunststudium in Fotografie/Medien, Malerei/Grafik oder Bildhauerei/Plastik. Auslober ist der Verein für zeitgenössische Kunst, Kultur und Wissenschaft VzKW e.V. Infos und Bewerbungsunterlagen unter: www.fadbk.com.
Rheinischer Kunstpreis
Der Rheinische Kunstpreis ist für den jeweils rheinischen Teil der Bundesländer Rheinland-Pfalz (nördl. Gebiete) und Nordrhein-Westfalen (Gebiet des Landschaftsverbands Rheinland) ausgeschrieben. Preissumme: 20.000 Euro. Zugelassen sind alle künstlerischen Bereiche. Deadline: 2. Oktober 2010. Bewerbungsunterlagen sind unter www.rhein-sieg-kreis.de/kunstpreis abzurufen.
Solitude-Stipendien
Die Akademie Schloss Solitude in Stuttgart lobt 65 Aufenthalts-Stipendien von sechs bis zwölf Monaten Dauer aus. Bewerbungen sind in den Sparten Architektur (Entwerfen, Landschaftsplanung, Städtebauplanung), Bildende Kunst (inkl. Performance-Kunst), Darstellende Kunst (Bühnenbild, dramatische Texte, Dramaturgie, Musiktheater, Performance, Regie, Schauspiel, Tanz), Design (Mode-, Kostüm-, Produkt- und Möbeldesign, Visuelle Kommunikation), Literatur (Essay, Kritik, Lyrik, Prosa, Übersetzung), Musik/Klang (Interpretation, Klanginstallation, Klangperformance, Komposition) und Video/Film/Neue Medien (inkl. Videoinstallation) möglich.
Die Stipendien werden an Personen vergeben, die nicht älter als 35 Jahre sind und deren Studienabschluss nicht länger als 5 Jahre zurückliegt. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2010 (Poststempel). Bewerbungsunterlagen unter http://bewerbung.akademie-solitude.de .





